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Gürtelrose – Herpes Zoster – Varizella-Zoster-Virus – Neuralgie – PZN

Gürtelrose – Virenattacke auf Nerven und Haut

Das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, nimmt mit steigendem Alter zu. Ab dem 85. Lebensjahr erhöht sich das Risiko auf 50 Prozent. Vor allem wegen der teilweise schwerwiegenden Komplikationen wie chronischen Schmerzen ist diese Krankheit nicht zu unterschätzen.

Inhaltsverzeichnis

Bläschen und starke Schmerzen – das Krankheitsbild der Gürtelrose

Die Gürtelrose: ein Hautausschlag aus kleinen Bläschen, der sich streifenförmig um den Oberkörper zieht


Ein Hautausschlag aus kleinen Bläschen, der sich streifenförmig um den Brustkorb zieht und starke Schmerzen hervorruft: So äußert sich die Gürtelrose in den meisten Fällen. Ihr Name kommt daher, dass der Ausschlag sich oft von der Wirbelsäule aus gürtelförmig um Rücken und Bauch schlingt. Dabei können entweder beide Seiten oder nur eine Körperhälfte betroffen sein. Der wissenschaftliche Name Herpes Zoster leitet sich vom griechischen Wort für kriechen („herpein“) und für Gürtel („zoster“) ab.

Die Bläschen treten aber nicht nur am Oberkörper auf. Sie können auch andere Körperstellen befallen wie Nacken, Kopf oder die Extremitäten. Während der Virusinfektion entzündet sich ein Nerv und im weiteren Verlauf greift die Entzündung auf das Hautareal über, das von diesem Nerv versorgt wird, das sogenannte Dermatom.

Das Varizella-Zoster-Virus – Erreger von Gürtelrose und Windpocken

Das Varizella-Zoster-Virus gehört zur Gruppe der Herpes-Viren.

Der Erreger der Gürtelrose ist das Varizella-Zoster-Virus, das auch als Humanes-Herpes-Virus-3 bezeichnet wird. Es gehört zur Gruppe der Herpes-Viren (Herpesviridae).

Bei der Erstinfektion mit dem Virus erkrankt der Betroffene an Windpocken. Wenn sie abgeheilt sind, bleibt das Virus im Körper und nistet sich in den Nervenganglien in der Wirbelsäule, den sogenannten Spinalganglien ein. Dort verweilt es „schlafend“ über Jahrzehnte. Erst wenn das Immunsystem durch Krankheit oder fortgeschrittenes Alter geschwächt ist, können die Viren wieder aktiv werden. Im Rahmen dieser Reaktivierung wandert das Virus entlang der Nervenbahn an die entsprechende Hautstelle und verursacht dort einen schmerzhaften bläschen- und gürtelförmigen Ausschlag: die Gürtelrose.

Das Virus vermehrt sich, indem es Körperzellen umprogrammiert. Es dockt an die Zelle an und schleust seine Erbinformationen ein. Diese werden in die DNS der Zelle eingebaut, was sie dazu bringt, nun selbst Viren zu produzieren. Die neuen Viren werden freigesetzt und befallen ihrerseits weitere Zellen. Die Zellen sterben infolge der Umprogrammierung nach und nach ab.

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Hochansteckende Tröpfchen – Übertragung des Virus

Bei Gürtelrose ist nur der Inhalt der Bläschen ansteckend.

Das Varizella-Zoster-Virus ist sehr ansteckend. Bei einem Kontakt mit einem Windpocken-Erkrankten infizieren sich über 95 Prozent der Personen, die das Virus noch nicht in sich tragen. Es  wird über virushaltige Tröpfchen übertragen, die Infizierte beim Atmen oder Husten ausschneiden. Außerhalb des Körpers kann das Virus noch einige Stunden bis Tage überleben, so ist es auch über Gegenstände oder Körperoberflächen übertragbar. Nach der Windpockenerkrankung besteht lebenslange Immunität, aber man kann noch Jahrzehnte später an Gürtelrose erkranken.

Bei Gürtelrose-Patienten ist nur der Bläscheninhalt virushaltig. Ansteckungsgefahr besteht also hier nur dann, wenn man mit offenen Bläschen in Berührung kommt. Ein Kontakt kann bei nicht gegen das Varizella-Zoster-Virus immunen Menschen zu Windpocken führen, nicht jedoch zur Gürtelrose, da eine Gürtelrose nur durch spätere Reaktivierung des Virus entstehen kann. Sobald die Bläschen verkrustet sind, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

Ansteckung vermeiden – Gefahren in der Schwangerschaft 

Nur drei bis vier Prozent aller gebärfähigen Frauen in Deutschland haben keine Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus, deshalb sind die im Folgenden beschriebenen Komplikationen in der Schwangerschaft bei uns relativ selten. Für Frauen, die noch nicht die Windpocken hatten, gilt der Rat, sich von jeglicher Ansteckungsquelle fernzuhalten.

Wenn sich eine Schwangere erstmalig mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert – also Windpocken bekommt –, ist dies für ihr ungeborenes Kind gefährlich: Denn eine Ansteckung in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten kann – je nach Zeitpunkt der Infektion – beim Ungeborenen zum Varizellen-Syndrom mit Missbildungen beispielsweise am Nervensystem und an den Augen führen, und sie kann auch eine Fehlgeburt auslösen. Nicht ungefährlich ist es auch für das Neugeborene, wenn die Mutter sich erst kurz vor oder kurz nach der Geburt an Windpocken infiziert – dann nämlich hatte der mütterliche Organismus noch nicht ausreichend Zeit, Antikörper zu bilden und das Kind damit zu versorgen.

Bekommt die Mutter dagegen eine Gürtelrose, besteht keine Gefahr für das Kind, da die Mutter während ihrer Erstinfektion schon ausreichend Antikörper gegen das Virus gebildet hat, mit denen auch das Kind versorgt wird.

Ältere Menschen und Immunsupprimierte – Risikogruppen

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sind in Deutschland über 95 Prozent der Erwachsenen mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert, weil sie in der Kindheit die Windpocken hatten. Sie sind alle potenzielle Gürtelrose-Patienten. Typischerweise erkranken aber vor allem ältere Menschen, da die Immunität gegen das Virus, die durch die überstandene Krankheit vorhanden ist, mit dem Alter abnimmt.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 350.000 bis 400.000 Menschen an der Gürtelrose. Dabei sind pro Jahr durchschnittlich nur zwei bis drei von 1.000 Menschen unter 50 Jahren betroffen, ab 50 Jahren sind es schon fünf und zwischen 60 und 70 Jahren schon sechs bis sieben. Rechnet man diese Zahlen über das gesamte Leben hoch, ergibt sich ein erhebliches Krankheitsrisiko: Wer 85 Jahre alt wird, hat eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben an der Gürtelrose zu erkranken.

Neben Älteren haben auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem ein vielfach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Dazu gehören HIV- Infizierte, Krebspatienten oder Menschen, die wegen einer Transplantation immunsuppressive Medikamente erhalten. Daher gilt die Gürtelrose auch als Anzeichen für ein schwaches Immunsystem und möglicherweise eine zugrundeliegende andere Krankheit. Menschen, die mit HIV infiziert sind oder einen bösartigen Tumor haben, leiden überdurchschnittlich häufig an einer Gürtelrose. Sie wird aber auch durch leichte Krankheiten wie Grippe, durch Stress oder starke Sonneneinstrahlung begünstigt.

Chronische Schmerzen, Blindheit und Taubheit – mögliche Komplikationen

Tritt die Gürtelrose im Bereich des Auges auf, kann es im schlimmsten Fall zu einer Erblindung kommen.

Die Gürtelrose ist wegen ihrer häufigen und teilweise schweren und langwierigen Komplikationen gefürchtet, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Wenn Hautbereiche am Kopf betroffen sind, drohen im schlimmsten Fall Erblindung und Taubheit. Außerdem kann das Virus auf das zentrale Nervensystem übergreifen und zu einer Entzündung von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark führen. Während diese schweren Verläufe normalerweise eher selten sind, ist das Risiko für Komplikationen bei Menschen mit geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem erhöht. Bei ihnen kann die Gürtelrose auch den gesamten Körper (Zoster generalisatus) oder innere Organe befallen.

Die häufigste Komplikation ist die sogenannte postzosterische Neuralgie (PZN). Sie entsteht, wenn die Nerven durch die Erkrankung so stark geschädigt wurden, dass die Schmerzen auch nach dem Abheilen weiter anhalten oder wiederkehren. Die Schmerzen können Monate oder auch Jahre andauern und sind für die Betroffenen eine erhebliche Belastung. Etwa 10–20 Prozent der Patienten leiden nach einer Gürtelrose an der postzosterischen Neuralgie. Bei Patienten über 60 Jahren sind es sogar 50 Prozent. Eine frühzeitig begonnene Therapie kann das Risiko senken.

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Literatur:
Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie: Leitlinie. Zoster und Zosterschmerzen. In: Chemotherapie Journal, 11. Jg., Heft 5/2002.
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Diagnostik und Therapie neuropathischer Schmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/114, 2005.
Harland, Simone/Haustein, U.-F.: Herpes und Gürtelrose. Die heimliche Volkskrankheit. 1999. Berlin: Urania Verlag.
Robert Koch Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Stand 2006


Bilder: Prof. Dr. Sawko Wassilew (1), Dt. Grünes Kreuz (1), CDC/Dr. James Nakano (1), Wikimedia Commons/GNU Free Documentation License (1)

Glossar

Antikörper
Bestandteile des körpereigenen Immunsystems, sie werden von speziellen weißen Blutzellen (B-Zellen) gebildet. Antikörper sind in der Lage, bestimmte „körperfremde“ Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Zellen zu erkennen und daran anzudocken. Dadurch sind diese Zellen markiert und sichtbar für die Killerzellen des Immunsystems. Antikörper können aber auch gezielt Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen besetzen und damit die Weitergabe von Signalen innerhalb der Zelle unterbrechen.

Dermatom
Hautareal, das von einem Nerv versorgt wird, der dem Rückenmark entspringt

DNS
(engl.: DNA) Desoxyribonukleinsäure, enthält die genetische Information, also das Erbgut von Zellen

Herpes Zoster
medizinische Bezeichnung für die Gürtelrose

HIV
Humanes Immundefizienz-Virus, d.h. menschliches Immunschwäche-Virus, das nach einer Ansteckung zu einer meist mehrjährigen Latenzphase (siehe dort) und dann zu AIDS führt, einer derzeit noch unheilbaren Immunschwächekrankheit. Das Virus wird über das Blut oder über andere Körperflüssigkeiten (beim Geschlechtsverkehr) übertragen.

Immunität
Unempfindlichkeit des Körpers gegen bestimmte Krankheitserreger, gegen die sein Immunsystem Abwehrkräfte entwickelt hat

Immunsuppression
Unterdrückung der Reaktionen des Immunsystems durch Medikamente; verhindert bei Transplantationen (siehe dort) die Abstoßung des transplantierten Organs.

Nervenganglion
Knotenförmiges Gebilde des Nervensystems außerhalb des zentralen Nervensystems (siehe dort), in dem Zellkörper von Nervenzellen angehäuft sind; Nervenknoten

Transplantat/Transplantation
Natürliches Material aus Zellen oder Geweben zur Transplantation. Dabei unterscheidet man:

  • Autologe Transplantation: Spender und Empfänger sind eine Person
  • Syngene Transplantation: Spender und Empfänger sind genetisch identisch, z.B. eineiige Zwillinge
  • Allogene Transplantation: Spender und Empfänger gehören zur gleichen Art
  • Xenogene Transplantation: Spender und Empfänger gehören unterschiedlichen Arten an, z.B. Schwein zu Mensch

Windpocken
Durch das Varizella-Zoster-Virus (siehe dort) ausgelöste und durch Tröpfcheninfektion übertragene Erkrankung, die sich in einem juckenden Hautausschlag mit Bläschen und Fieber äußert. Windpocken betreffen vor allem Kinder im Vorschulalter.

Zentrales Nervensystem
Gehirn und Rückenmark; Nervengewebe, das Sinnesreize verarbeitet, Bewegungen koordiniert und die Abstimmungsvorgänge im Körper reguliert