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Darmkrebs – Tumor – Dickdarm – Dünndarm – Polyp – Ernährung – Karzinom – Kolon – Rektum

Darmkrebs – Wettlauf gegen die Zeit

Unter den bösartigen Tumorerkrankungen ist Darmkrebs die Nummer 2 gleich hinter Prostatakrebs bei Männern und hinter Brustkrebs bei Frauen. Zur Verdeutlichung: Darmkrebs fordert pro Jahr fünf Mal so viele Todesopfer wie der Straßenverkehr.

Dabei wäre gerade dieser Krebs sehr gut heilbar, wenn nur jeder rechtzeitig zur Vorsorge ginge.

Inhaltsverzeichnis

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Und für fast die Hälfte der Betroffenen kommen die ansonsten hochwirksamen Therapien zu spät – weil der Krebs erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt wurde. Etwa 70.000 Neuerkrankungen gib es jedes Jahr. 

Männer erkranken im Schnitt häufiger und früher als Frauen an Darmkrebs. Bei den erkrankten weiblichen Patienten liegt das Durchschnittsalter bei 75 Jahren, Männer trifft die Diagnose „Darmkrebs“ laut Statistik bereits sechs Jahre früher.

Bei der Darmspiegelung betrachtet der Arzt den Darm mit einer kleinen Kamera.

Zugleich sind Männer weniger bereit als Frauen, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen: Nur 15 Prozent der Männer nutzen dieses Angebot der Krankenkassen. Vermutlich liegt das daran, dass sie generell seltener den Arzt aufsuchen – vor allem, wenn es sich um Krankheiten im Urogenitalbereich handelt. Dagegen gehen 30 bis 40 Prozent der Frauen zur Vorsorge. Oft ist es der Gynäkologe, der ihnen zu einer Darmuntersuchung rät.

Generell war Darmkrebs lange ein Tabu-Thema. Dank massiver Aufklärungskampagnen in den Medien hat sich das in den letzten Jahren geändert. Auch die Felix-Burda-Stiftung, die eng mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft kooperiert, trug viel zur Aufklärung bei. Immerhin ist durch solche Aktionen im Vergleichszeitraum die Fünf-Jahres-Überlebensrate deutlich gestiegen. (Die Fünf-Jahres-Überlebensrate dient der Prognoseeinschätzung einer Erkrankung.)

So funktioniert der Darm

Der Darm gliedert sich in Dünn- und Dickdarm.

Vom Magen aus gelangt der bereits  vorverdaute Nahrungsbrei in den ersten Abschnitt des Dünndarms, den Zwölffingerdarm (Duodenum). Dort wird der Brei mit Sekreten aus Galle und Bauchspeicheldrüse versetzt, und Enzyme zerlegen die Nahrungsbestandteile in Moleküle.

Im zweiten und dritten Abschnitt des Dünndarms, dem Leerdarm (Jejunum) und dem Krummdarm (Ileum), werden Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße dem Nahrungsbrei entzogen.

Der Dünndarm ist drei bis vier Meter lang. Um die Nahrung vollständig verwerten zu können, ist er jedoch stark gefältelt, sodass seine Oberfläche um ein Vielfaches vergrößert wird.

 

Daran schließt der Dickdarm, der etwa 1,5 bis 2 Meter lang ist. Hier wird den verbliebenen Speiseresten weitere Flüssigkeit entzogen. So werden sie eingedickt und über den Grimmdarm (Kolon) zum Mastdarm (Rektum) weitergeleitet. Hier wird der Stuhl gespeichert und portionsweise in den Analkanal am Darmende geschoben. Durchschnittlich einmal am Tag wird der Stuhl von dort aus kontrolliert entleert. Der äußere Schließmuskel, der Anus (After), gehört nicht mehr zum Dickdarm.

Für den Weitertransport des Darminhalts ist die Peristaltik verantwortlich –wellenförmige kleine Bewegungen der Darmmuskulatur, die unbewusst ablaufen, d.h. sie werden nicht vom Willen gesteuert.

Bösartige Tumore im Dünndarm sind selten. Wesentlich häufiger kommen Tumore im Dickdarm vor: die Kolonkarzinome und Rektumkarzinome (gemeinsam kolorektale Karzinome genannt).


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Für Darmkrebs gibt es viele Risikofaktoren

Ein besonders hohes Risiko haben Menschen, bei deren Verwandtschaft ersten Grades (Eltern, Kinder, Geschwister) bereits Darmkrebs aufgetreten ist.

Bei der Krankheit FAP wachsen im Darm vermehrt Polypen

Im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung ist ihr Risiko, eines Tages selbst an Darmkrebs zu erkranken, zwei- bis dreimal so hoch.

Außerdem gibt es Patienten, die unter einer familiären adenomatösen Polyposis (FAP) leiden, einer Erkrankung, bei der sowohl im Darm als auch an vielen anderen Stellen im Körper vermehrt Polypen wachsen; diese Polypen können zur Entartung neigen.

Weiterhin gibt es einige seltenere angeborene Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für ein kolorektales Karzinom mit sich bringen, wie beispielsweise das Peutz-Jeghers-Syndrom oder das Cowden-Syndrom.

 

Bei der Colitis Ulcerosa ist die Darmschleimhaut chronisch entzündet. Zum Vergleich: links ein gesunder Darm, rechts ein Darm bei Colitis Ulcerosa.

Besonders hoch ist das Darmkrebsrisiko auch für Menschen mit der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa, die durch Entzündungen und Geschwüre in der oberen Schicht der Darmschleimhaut gekennzeichnet ist. Bei einer weiteren chronischen Darmerkrankung, Morbus Crohn, können sich alle Schichten der Darmschleimhaut entzünden, meist ist hier aber nur der Dünndarm betroffen; deshalb ist bei Morbus-Crohn-Patienten das Dünndarmkarzinomrisiko erhöht, eine abschließende Aussage über ein erhöhtes Risiko für ein kolorektales Karzinom kann noch nicht gemacht werden.

Gefährdet sind auch Menschen mit Diabetes, wie neuere Untersuchungen ergaben. Wissenschaftler vom Cancer Research UK und dem Medical Research Council in Großbritannien haben über sechs Jahre lang einen Marker für Zuckerwerte in den Blutproben von 10.000 Männern und Frauen zwischen 49 und 79 Jahren getestet. Das Ergebnis: Bei Probanden mit Diabetes und bei Probanden mit auffälligem, aber nicht krankhaft erhöhtem Blutzuckerspiegel zeigte sich ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Die Forscher vermuten, dass durch Diabetes mellitus bedingte hormonelle Veränderungen das Tumorwachstum forcieren und dass beide Erkrankungen die gleichen prädisponierenden Faktoren haben. Außerdem hat eine Forschungsgruppe aus den USA in einer retrospektiven Studie herausgefunden, dass bei Patienten unter lang andauernder Insulintherapie das Risiko für ein kolorektales Karzinom steigt.

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Darmkrebs und Ernährung – es gibt Zusammenhänge

Inwieweit die Ernährung eine Rolle spielt, wird in der Fachwelt immer wieder diskutiert. Im Allgemeinen gilt eine ballaststoffarme, fleischreiche Kost schon als Risikofaktor.

Um Darmkrebs vorzubeugen sollten wöchentlich nicht mehr als 600g Fleisch und Wurst verzehrt werden.

Die Deutsche Krebsgesellschaft rät, in der Woche insgesamt nur zwischen 300 bis 600 g Fleisch und Wurst zu konsumieren, dafür aber täglich fünf Portionen Obst (250 g) und Gemüse (400 g). Wie die Deutsche Krebsgesellschaft betont, spielt insgesamt nicht nur die Wahl der Produkte eine Rolle, sondern auch Lagerung, Konservierung und Zubereitung der Lebensmittel: Werden hier Fehler gemacht, fördert das die Ausbreitung der Krankheit. Als gefährlich gelten beim Zubereiten zum Beispiel hohe Fett- und Salzmengen ebenso wie nicht sachgerechtes, zu „scharfes“ Grillen. Auch Schimmelbefall an Lebensmitteln ist ein beträchtlicher Risikofaktor.

Fest steht auch, dass Übergewicht und mangelnde Bewegung das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Sicher ist auch, dass Menschen mit hohem Alkoholkonsum und Raucher ein erhöhtes Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken.

Darmpolypen können Krebs-Vorstufe sein

Ein Polyp im Darm.

Wie Darmkrebs entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt eine schrittweise Zunahme von Mutationen von unterschiedlichen Schlüsselgenen an, die einigen Zellen Wachstumsvorteile bringen.

Sicher ist jedenfalls, dass sich 90 Prozent der bösartigen Darmtumore aus Polypen im Dickdarm entwickeln. Polypen sind eigentlich gutartige Geschwüre, die mit zunehmenden Jahren bei etwa 50 Prozent der Durchschnittsbevölkerung auf der Darmschleimhaut wuchern.

 

 

Ein bösartiger Tumor im Darm.

Irgendwann aber können sie mutieren. Dann breiten sie sich ungehemmt aus und werden bösartig. Man kann in den allermeisten Fällen behaupten: Ohne Polypen kein Darmkrebs!

Allerdings dauert die Entwicklung vom Polypen zum Krebs relativ lange, zwischen fünf bis zehn Jahre. Das sehr langsame Wachstum erklärt, warum gerade bei Darm­krebs die Heilungschancen so groß sind, wenn man ihn rechtzeitig entdeckt.

 

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Animationen: u.A. TeleDesign München

Bilder: Shutterstock (4); Wikimedia Commons/GNU Free Documentation License (1); Prof. Becker (1)

Aufnahmen virtuelle Darmspiegelung: Diagnoseklinik München

Glossar

Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)

Diabetes mellitus bedeutet übersetzt: „honigsüßer Durchfluss“. Chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Blut einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufweist. Diabestes mellitus zeichnet sich durch absoluten Insulinmangel (Diabetes Typ 1) oder relativen Insulinmangel (Diabetes Typ 2) aus.

Enzym

Für den Stoffwechsel essenzielles Protein (Eiweiß), das biochemische Reaktionen im Körper beschleunigt.

Gene

Träger von Erbinformation, die an Nachkommen vererbt werden können.

Mutation

Verändern sich Gene ohne eine erkennbare äußere Ursache, wird dies als Mutation bezeichnet: Die Gene mutieren.

Retrospektiv

Lat.: zurückschauend. Retrospektive Studien werten rückblickend Ergebnisse beispielsweise von Behandlungsverfahren aus.