Tückische Schmerzfreiheit
Darmkrebs verursacht erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Das macht diese Krankheit so tückisch, weil dann eine Heilung sehr schwierig ist. Konsequente Krebsvorsorge kann daher Leben retten. Zur Früherkennung gibt es verschiedene Testmethoden – von der einfachen Stuhlprobe, die man selbst durchführen kann, bis zur Darmspiegelung, die mit großer Sicherheit die meisten Darmtumore entlarvt.
Inhaltsverzeichnis
Erste Alarmsignale im Stuhl
Es gib für Darmkrebs nur wenige Warnzeichen: Dazu gehört rot oder schwarz gefärbter Stuhl, der auf eine Blutung hindeutet, oder auffällige Schleimbeimengungen. Auch eine unerklärliche Veränderung der Verdauung kann auf einen Tumor hindeuten. Das kann sowohl länger anhaltender Durchfall sein oder chronische Verstopfung. Diese Symptome können auch eine ganz harmlose Ursache haben, dennoch ist der Gang zum Arzt unerlässlich, wenn sie auftreten.
Als ersten Diagnoseschritt wird der Arzt den Enddarm mit dem Finger abtasten. Damit erreicht er natürlich nur den untersten Bereich des Dickdarms (Rektum). Auf diese Weise lassen sich nicht mehr als 10 Prozent der Tumore im Darm entdecken. Frauen erfahren diese Tastuntersuchung meist beim Gynäkologen im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge. Dazu gehört auch die Laboruntersuchung einer Stuhlprobe auf verdächtige Blutspuren.
Der klassische Stuhltest basiert auf einer chemischem Reaktion eines Farbstoffs aus Guajak-Harz mit dem roten Blutfarbstoff. Dadurch wird verborgenes (okkultes) Blut sichtbar. Der Patient bringt dafür an drei kurz aufeinanderfolgenden Tagen kleine Stuhlproben auf ein spezielles Papier auf. Über den Hausarzt wird der Testbrief an ein entsprechendes Labor geschickt. Diesen chemischen Okkultbluttest (Guajak-Methode) übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für jeden Versicherten im Rahmen der Darmkrebsvorsorge ab dem 50. Lebensjahr. Der Test hat einen großen Nachteil: Er reagiert nicht spezifisch auf menschliches Blut, sondern auch auf tierisches aus Fleisch oder auch auf größere Mengen Vitamin C. Mehrere Tage vor dem Test sollte man daher auf Lebensmittel wie Steak, Tatar oder Blutwurst verzichten, aber auch auf Extra-Vitamin-C-Gaben oder größere Mengen Orangensaft. Auch bestimmte Schmerzmedikamente können das Ergebnis verfälschen.
Alternativ zum chemischen Test gibt es seit einigen Jahren einen qualitativen immunologischen Okkultbluttest. Er weist Antikörper auf ausschließlich menschlichen Blutfarbstoff nach. Die Stuhlproben von drei verschiedenen Tagen wandern dabei in eine Lösung, die anschließend auf eine Testfläche geträufelt wird. Nach wenigen Minuten zeigt eine eventuelle Verfärbung das Ergebnis. Diesen Check kann man wie einen Schwangerschaftstest selbst durchführen. Wegen seiner größeren Genauigkeit bevorzugen auch viele Ärzte den immunologischen gegenüber dem chemischen Test. Er ist allerdings keine Kassenleistung und kostet rund 15 Euro. Nahrungsmittel können diesen Test nicht verfälschen, doch Schmerz- und Rheumamittel führen manchmal zu falsch positiven Ergebnissen.
Eine Studie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat 1.319 Stuhlproben aus Vorsorgeuntersuchungen mit dem klassischen Okkultbluttest sowie sechs immunologischen Tests für den Heimgebrauch verglichen und die Ergebnisse mit dem Resultat der anschließenden Darmspiegelungen abgeglichen: Die neuen Tests hatten doppelt so viele Krebsvorstufen festgestellt als der Klassiker.
Desweiteren gibt es noch quantitative immunologische Testverfahren, die nicht vom Patienten selbst ausgewertet werden können, und neuerdings auch einen Tumormarker-Stuhltest, bei dem spezielle Enzyme im Stuhl nachweisbar sind.
Darüber hinaus kann eine Blutprobe eventuell vorhandene Tumormarker zeigen. Der Bluttest ist aber aufgrund seiner bisher nur bedingten Zuverlässigkeit als Erstdiagnose nicht sehr aussagekräftig. Er dient eher einer Therapieverlaufskontrolle.
Die Darmspiegelung entdeckt fast jeden Tumor

Bei der Darmspiegelung wird ein Endoskop durch den After in den Darm eingeführt.
Ein ungewöhnlicher Tastbefund oder Blut im Stuhl bedeuten nicht automatisch Darmkrebs. Jede Auffälligkeit sollte allerdings zum nächsten Diagnoseschritt führen: zur Darmspiegelung (Koloskopie).
Seit Oktober 2002 haben alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem 56. Lebensjahr Anspruch auf eine vorsorgliche Koloskopie. Sie sollte bei Krebsentwarnung alle 5 bis 10 Jahre wiederholt werden.
Menschen, in deren naher Verwandtschaft es Fälle von Darmkrebs gab oder gibt, können die vorsorgliche Darmspiegelung je nach ärztlicher Indikation deutlich vor dem 56. Lebensjahr vornehmen lassen.
Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die sicherste Methode, Gewebeveränderungen im Darm festzustellen. Dafür geht der Patient zu einem Spezialisten, dem Gastroenterologen.

Das flexible Endoskop besteht aus einem biegsamen Schlauch mit einer kleinen Spezialkamera und einer Lichtquelle am Ende.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Spiegelung ist freie Sicht für die Kamera des Koloskops. Der Patient muss daher den Darm vor der Untersuchung vollständig entleeren. Starke Abführmittel, seltener auch ein Einlauf, befreien den Dickdarm von Verdauungsresten. Für die nicht gerade als angenehm empfundene Untersuchung kann der Patient eine mehr oder weniger starke Sedierung bekommen. Allerdings bevorzugen viele Ärzte einen hellwachen Patienten, mit dem sie die „Live-Bilder“ aus dem Darm besprechen können. Der Arzt führt dann einen dünnen, biegsamen Schlauch mit einer winzigen Spezialkamera und einer Lichtquelle in den After ein und schiebt ihn langsam durch den Darm. Das Koloskop zeigt Veränderungen und Wucherungen an der inneren Darmwand.

Das entnommene Gewebe wird unter dem Mikroskop auf Tumorzellen untersucht.
Außerdem kann der Arzt noch während der Untersuchung beispielsweise Polypen oder andere Auffälligkeiten entfernen. Oft sind diese Wucherungen zunächst harmlos, ein geringer Prozentsatz kann sich aber zu bösartigen Tumoren entwickeln.
Immerhin entstehen 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen aus Polypen. Der Arzt kann während der Koloskopie außerdem Gewebeproben entnehmen, die auf Krebszellen untersucht werden. Die histologische Untersuchung kann bei positivem Befund auch den Tumortyp bestimmen.
Virtuelle Reise durch den Darm

Bei der virtuellen Koloskopie kann der Darm in unterschiedlichen Ansichten untersucht werden.
Eine neuartige Methode der Darmspiegelung ist die CT-Kolonografie, auch virtuelle Koloskopie genannt. Anders als die herkömmliche Darmspiegelung findet die Untersuchung nicht im Körper statt. Die nicht invasive Alternative wird von den gesetzlichen Kassen allerdings nicht bezahlt. Sie kostet etwa 800 Euro.
Wie bei der Computertomografie wird mittels digitaler Schnittbilder eine dreidimensionale Ansicht des Darms sichtbar gemacht. Schicht für Schicht werden die Gewebestrukturen dargestellt.
Der Arzt beobachtet das Lumen des Darms mit allen Windungen und Veränderungen an einem Monitor. Der Darm wird dazu vorher mit einem Gas (Kohlendioxid) aufgebläht, damit die Darmwände sauber voneinander getrennt sind.

Die Gewebestrukturen werden Schicht für Schicht dargestellt.
Der Vorteil der Methode ist, dass der Arzt zusammen gleichzeitig auch umliegende Organe untersuchen kann. Außerdem ist diese Untersuchung weniger angstbesetzt als die herkömmliche Darmspiegelung. Eine sorgfältige Darmreinigung ist aber auch hierbei notwendig, und der große Nachteil dieser Untersuchung ist: Der Arzt kann nur beobachten, aber während der Untersuchung nicht gleichzeitig Gewebeproben entnehmen oder Polypen entfernen. Im Zweifelsfall muss sich also an die kostspielige virtuelle Koloskopie doch noch eine klassische Darmspiegelung anschließen. Außerdem können mit der neuen Methode unter Umständen sehr seltene, flache Polypen übersehen werden.
Auch sollte man die Strahlenbelastung bei der virtuellen Koloskopie nicht unerwähnt lassen.
Weitere Diagnoseverfahren: Kontrastmittel und Ultraschall
Zwei weitere Methoden der Darmuntersuchung kommen nur selten zum Einsatz, seien aber der Vollständigkeit halber erwähnt:
- Röntgen-Breischluck: Bei dieser nicht invasiven, bildgebenden Untersuchung wird der Bauch geröntgt, nachdem der Patient ein Kontrastmittel getrunken hat. Die Maßnahme ist sinnvoll, wenn aus physischen Gründen keine Darmspiegelung vorgenommen werden kann.
- Endosonografie: Die Methode ähnelt der Darmspiegelung. Auch hier wird ein flexibler Schlauch in den Darm eingeführt. Statt der Kamera ist das Schlauchende mit einem Ultraschallkopf bestückt.
Wie weit ist der Darmkrebs fortgeschritten?

Das CT gibt dem Arzt Auskunft über die Größe des Tumors.
Wenn die Diagnose „Darmkrebs“ gestellt wird, kann man anhand weiterer Untersuchungen die Ausdehnung des Tumors festzustellen:
- Computertomografie (CT): Das bildgebende Verfahren gibt dem Arzt Auskunft über die Größe des Tumors, über die mögliche Beeinträchtigung der Nachbarorgane, den Befall der Lymphknoten oder Metastasen in anderen Organen
- Sonografie (Ultraschall): Auch diese Maßnahme kann vor allem die möglichen Auswirkungen des Darmkrebses auf andere Bauchorgane zeigen.
Bilder: Shutterstock (3); Wikimedia Commons/GNU Free Documentation License (2)
Animationen: TeleDesign München
Aufnahmen virueller Darm: Prof. Dr. med. Rogalla, Charité Berlin.
Aufnahmen Darmspiegelung: Prof. Dr. med. habil. Christian Prinz, Leiter der Endoskopie-Abteilung, II. Medizinische Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Webauftritt und Informationen: http://www.med2.med.tu-muenchen.de/forschung/AG_Prinz.html; http://www.med2.med.tu-muenchen.de/team/prinz.html.
Film virtuelle Darmspiegelung: Diagnoseklinik München
Glossar
Antikörper
Bestandteile des körpereigenen Immunsystems, sie werden von speziellen weißen Blutzellen (B-Zellen) gebildet. Sie sind in der Lage, bestimmte „körperfremde“ Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Zellen zu erkennen und daran anzudocken. Dadurch sind diese Zellen markiert und sichtbar für die Killerzellen des Immunsystems. Antikörper können aber auch gezielt Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen besetzen und damit die Weitergabe von Signalen innerhalb der Zelle unterbrechen.
Computertomografie (CT)
Bei der Computertomografie lassen sich mithilfe von Röntgenstrahlen Schnittbilder durch den Körper anfertigen. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Gewebearten gut unterscheiden. Moderne Spiral-Computertomografen sind in der Lage, auch dreidimensionale Bilder zu errechnen.
Lumen
Das Innere einer Röhre oder eines Hohlkörpers
Minimalinvasiv
Mit dem kleinstmöglichen Verletzungsrisiko
Minimal-invasive Chirurgie
Operative Eingriffe, die nur kleinste Verletzungen von Haut und Weichteilen verursachen.
Sedierung
Behandlung mit einem Beruhigungsmittel
Tumormarker
Körpereigene Stoffe, die bei bestimmten Tumorerkrankungen in erhöhten Konzentrationen im Blut nachgewiesen werden können. Für Brustkrebs bekannte Tumormarker sind CEA und CA 15-3. Sie dienen dazu, den Krankheitsverlauf zu beurteilen.










