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Darmkrebs – Forschung – Bluttest – ELISA – Antikörper – Nukleäre Matrix Proteine (NMP) – Biomarker

Neuer Bluttest zur Frühdiagnose?

In Bonn haben Forscher in den letzten fünf Jahren an einem Bluttest für die Darmkrebsvorsorge gearbeitet. Neue Biomarker in Form von speziellen Proteinen wurden gefunden. Damit soll in Zukunft ein Bluttest möglich werden, der Risikopatienten rechtzeitig warnt. Immerhin sterben in Deutschland 30.000 Menschen jährlich an Darmkrebs. In einem frühen Stadium erkannt, ist er heilbar.

Inhaltsverzeichnis

In Zusammenarbeit mit der amerikanischen John-Hopkins-Universität in Baltimore hat die Forscherin Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel am Institut für klinische Biochemie in Bonn einen neuen Bluttest entwickelt, der Darmkrebs schon im Frühstadium nachweisen könnte. Dieser Test hebt sich von anderen ab, die bislang nicht empfindlich genug waren. Die Entdeckung der Wissenschaftlerin verbessert die Möglichkeit, Dickdarmkrebs frühzeitig in einem heilbaren Krankheitsstadium zu diagnostizieren. Die Mediziner können jetzt Proteinstrukturen feststellen, die im Blut eines gefährdeten Patienten gehäuft vorkommen. Wenn das der Fall ist, sind allerdings weitere Untersuchungen wie eine Darmspiegelung dringend geboten.

Die Sensitivität und Spezifität des Bluttests liegen bei über 90 Prozent. Weitere Studien mit größeren Patientengruppen sind dringend notwendig und werden zur Zeit vorangetrieben, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Denn: In ganz seltenen Fällen kann der Protein-Wert auch bei gesunden Menschen erhöht sein.

Keine Alternative zur Darmspiegelung

Patienten lassen lieber einen Bluttest als eine Stuhluntersuchung vornehmen.

Das sind gute Nachrichten für Patienten, die sich vor einer Darmspiegelung scheuen. Aber: „Die Darmspiegelung ist und bleibt der diagnostische Goldstandard“, betont Privatdozentin Dr. Walgenbach-Brünagel. Ziel ihrer Studie ist es, eine einfache und kostengünstige Methode zum Screening der asymptomatischen Bevölkerung zu entwickeln. Denn: Die Akzeptanz eines einfachen Bluttests ist gegenüber den zur Zeit etablierten Screenigverfahren, wie beispielsweise den Stuhluntersuchungen, deutlich höher. Durch die Entwicklung eines einfachen Bluttests könnten daher wesentlich mehr Menschen erreicht und zu einer Darmspiegelung motiviert werden. Trotz der zur Verfügung stehenden Screenigverfahren werden leider immer noch über 40 Prozent der Patienten in einem nicht mehr heilbaren Krankheitsstadium mit der Diagnose „Darmkrebs“ konfrontiert – bei einer rechtzeitigen Diagnose wäre ihr Darmkrebs heilbar gewesen.

Testen lassen sollten sich Männer und Frauen grundsätzlich ab dem 50. bis 55. Lebensjahr. Wer in der nahen Verwandtschaft bereits Fälle von Darmkrebs hat, sollte sich sogar schon früher untersuchen lassen.

Wie funktioniert der neue Bluttest?

Sind bestimmte "Darmkrebs-Proteine" im Blut vorhanden, docken die Antikörper daran an.

Der Bluttest basiert auf dem indirekten ELISA-Test. Dieser Test nutzt die Mechanismen des Immunsystems. Das Blutserum der betreffenden Person wird auf eine Trägerplatte aufgebracht. Wenn ein bestimmtes fremdes Protein, das sich nur in den Darmkrebszellen befindet, im Serum vorhanden ist, docken hinzugefügte Antikörper an dieses Protein an. Der passende Antikörper muss  dem Forscher allerdings vorher bekannt sein. Diese Antikörper werden im Vorfeld des Tests mit gentechnischen oder zellbiologischen Verfahren hergestellt. Findet diese Reaktion zwischen den Antikörpern und den Proteinen statt, verändert sich die Farbe der Probe. Das ist der Nachweis dafür, dass der Patient an Darmkrebs erkrankt sein könnte.

Stand der Forschung

Der indirekte ELISA-Test findet spezifische nukleäre Matrix Proteine (NMP) für das kolorektale Karzinom (Darmkrebs). Bei ihren Untersuchungen entdeckte Dr.Gisela Walgenbach-Brünagel mit diesem Test einen hochsignifikanten Unterschied in der Darstellung des Proteins bei Kolonkarzinompatienten im Vergleich zu gesunden Patienten. Die identifizierten NMPs haben somit das Potenzial, eines Früherkennungsmarkers für das kolorektale Karzinom im Serum zu werden. Diese Proteine erscheinen auch schon bei den an sich harmlosen Polypen im Darm, die eine Vorstufe zu Darmkrebs sein können.

Klinisch einsetzbar wird der Test allerdings erst in einigen Jahren sein.

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Bilder: Shutterstock (1)

Glossar

Antikörper

Bestandteile des körpereigenen Immunsystems, sie werden von speziellen weißen Blutzellen (B-Zellen) gebildet. Sie sind in der Lage, bestimmte „körperfremde“ Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Zellen zu erkennen und daran anzudocken. Dadurch sind diese Zellen markiert und sichtbar für die Killerzellen des Immunsystems. Antikörper können aber auch gezielt Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen besetzen und damit die Weitergabe von Signalen innerhalb der Zelle unterbrechen.

Antisympathotonika
Wirkstoffe, die die Aktivität des sympathischen Nervensystems verringern

Biomarker
Messbare Produkte von Körpervorgängen, anhand derer man krankhafte Veränderungen wie zum Beispiel den Herzinfarkt erkennen kann

ELISA-Test

Abkürzung für „Enzyme-Linked Immuno Sorbent Assay“. Immunologisches Testverfahren, mit dem sich Antikörper oder Antigene, beispielsweise im Blut, bestimmen lassen.

Nukleäres Matrix Protein (NMP)

Eiweißstruktur aus dem im Zellkern vorhandenen Netzwerk aus Ribonukleinsäure (RNA) und Proteinen

Protein

Eiweißtruktur, die aus Aminosäuren besteht. Ein Grundbaustein der Zelle.

Screening
Bezeichnung für Untersuchungen, die – als Reihenuntersuchung durchgeführt – der Früherkennung einer Erkrankung dienen

Sensitivität
Empfindlichkeit

Signifikant
Deutlich erkennbar, erheblich, wesentlich

Spezifität
Eignung