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Schilddrüse – Trijodthyronin – Thyroxin – Unterfunktion – Überfunktion – Kropf

Die Schilddrüse: ein kleines Organ mit großem Einfluss

Die Hormone der Schilddrüse beeinflussen jedes Organ des Körpers. Gerät der kleine Leistungsträger aus dem Takt, kann das weitreichende Folgen haben. Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet. „Etwa jeder Dritte ist betroffen, oft ohne es zu wissen“, erklärt Prof. Dr. Roland Gärtner von der LMU in München.

Inhaltsverzeichnis

Erkrankungen der Schilddrüse werden oft nicht rechtzeitig erkannt, weil die auftretenden Symptome oft unspezifisch sind. Außergewöhnliche Müdigkeit über einen längeren Zeitraum? Leistungsabfall? Gewichtsschwankungen bei gleichbleibendem Essverhalten? Oder dauerhaft depressive Verstimmungen? Für all das kann eine Störung der Schilddrüsenfunktion verantwortlich sein. Es ist wichtig, die Aufgaben und mögliche Beeinträchtigungen des Organs zu kennen, um eine Erkrankung frühzeitig zu entdecken.

Die Schilddrüse: ein kleines Power-Organ

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ direkt unterhalb des Kehlkopfes.

Die Schilddrüse (lat. Glandula thyroidea) ist lebenswichtig. Sie produziert Hormone, die den gesamten Organismus beeinflussen. Ihre Botenstoffe spielen besonders bei der Steuerung des Energiehaushaltes eine wichtige Rolle. „Die gesunde Schilddrüse sorgt für einen stabilen Grundumsatz des Körpers“, erklärt Professor Gärtner. Auch für normales Wachstum und die gesunde Entwicklung schon des Ungeborenen sind die Hormone unabdingbar. Hormonmangel während der Schwangerschaft hat deshalb schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind. Die Schilddrüse beeinflusst darüber hinaus den Knochenaufbau und spielt eine Rolle bei der Aufrechterhaltung des seelischen Gleichgewichts.

Das kleine Organ befindet sich am Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, genauer gesagt: unter einem bestimmten Teil des Kehlkopfes, dem Schildknorpel (daher auch der Name Schilddrüse). Aus zwei Lappen bestehend, die durch einen Mittelteil verbunden sind, hat die die Drüse die Form eines Schmetterlings. Beim Erwachsenen ist sie circa vier Zentimeter hoch und 10 Zentimeter breit. Allerdings kann die Größe von Mensch zu Mensch variieren, und bei Frauen ist sie in der Regel etwas kleiner, nimmt aber in der Schwangerschaft an Größe zu. Daher war das „Kropfband“ der alpenländischen Trachten früher ein praktischer „Schwangerschaftstest“: Wurde es um den Hals enger, galt das als frühzeitiger Hinweis auf eine Schwangerschaft.

Die Schilddrüse produziert drei wichtige Hormone

Die Zellen der Schilddrüse (Thyreozyten) sind die eigentliche Produktionsstätte der Hormone. Dabei sind die Zellen so angeordnet, dass sie einen kugelförmigen Hohlraum (Follikel) umfassen. In den Schilddrüsenzellen verbindet sich die Aminosäure Thyrosin mit Jod. Daraus entsteht eine Vorstufe der eigentlichen Schilddrüsenhormone, die in die Follikel abgegeben wird.

Aus diesen Vorstufen können zwei unterschiedliche Hormone hervorgehen:

  • das Trijodthyronin (T3)
  • das Thyroxin (T4)

Dabei wird deutlich mehr T4 als T3 gebildet. Zwischen den kugelförmigen Follikeln befinden sich im Schilddrüsengewebe verstreut die C-Zellen. Hier wird das Hormon Calzitonin gebildet. An den Spitze der vier Lappen der Schilddrüse sitzt jeweils eine kaum erbsengroße Struktur, die Nebenschilddrüsen, die das sogenannte Parathormon herstellen.

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Warum Jod für die Schilddrüse so wichtig ist

Jodiertes Speisesalz wirkt Mangelerscheinungen entgegen.

Fast jeder kennt die Empfehlung, jodiertes Speisesalz zu verwenden. Doch warum ist Jod so wichtig für uns? Zusammen mit anderen Bausteinen produziert die Schilddrüse aus Jod die beiden Hormone T3 und T4. Das Trijodthyronin (T3) enthält drei, Thyroxin (T4) vier Jodatome. Jod ist also ein essentieller Bestandteil dieser biologischen Botenstoffe. Es kann aber vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden. Das bedeutet: Sämtliches Jod, das für die Bildung der Hormone nötig ist, muss mit der Nahrung aufgenommen werden.
Deutschland zählt zu den Jodmangelgebieten der Erde. Das Spurenelement wurde während der Gletscherschmelze nach der letzten Eiszeit größtenteils aus den Böden ausgewaschen. Mittlerweile wirkt man diesem Mangel beispielsweise durch jodhaltiges Speisesalz entgegen. Darüber hinaus wird auch dem Futter unserer Nutztiere Jod beigemischt. So gelangt eine zusätzliche Menge des Spurenelementes in unsere Nahrung.  
Der Körper braucht pro Tag eine Menge von circa 200 µg Jod – auf ein Menschenleben umgerechnet, sind das nicht mehr als fünf Gramm im Laufe des Lebens, das entspricht gerade einmal einem gehäuften Teelöffel. Dies macht deutlich, welche geringen Mengen einer Substanz darüber entscheiden, ob der Mensch gesund oder krank ist.

Schilddrüsenhormone: Lieferung bei Bedarf

Die Schilddrüse speichert die Hormone, um sie nur bei Bedarf direkt ins Blut abzugeben. Dort werden sie von bestimmten Transportern (den Eiweißen Thyroxin-bindendes Globulin = TBG, Albumin und Präalbumin) aufgenommen. Vergleichbar mit den Zylindern eines Rohrpostsystems, werden die so „verpackten“ Hormone über die Blutbahnen an ihren Einsatzort (Herz, Muskulatur, Knochen etc.) gebracht.
Dort angekommen, lösen sie sich von ihrem Tranportbehältnis. Weniger als ein Prozent der Schilddrüsenhormone liegt im Blut in dieser ungebundenen, aktiven Form vor.
Von den „gelieferten“ Wirkstoffen wird dann ein Jodatom abgespalten. Es entsteht das wirksame Hormon T3. Dieser Botenstoff bindet an bestimmte Rezeptoren der Zielzellen. Dadurch kommt in der Zelle eine ganze Kette von Stoffwechselprozessen in Gang. Enzyme werden gebildet. Die Wirkung des Hormons setzt ein.

Schilddrüsenhormone regen an

Die Aktivität des Herz-Kreislauf-Systems wird von den Schilddrüsenhormonen beeinflusst.

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen alle Organe des menschlichen Körpers: Sie haben einen stimulierenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System (Herzschlagfrequenz und Blutdruck steigen an), auf die Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen und auf die Verdauung. Die Botenstoffe aus der Schilddrüse erhöhen außerdem die Erregbarkeit der Nervenzellen, die Aktivität der Muskelzellen und den Knochenstoffwechsel. Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel werden angekurbelt. Das Fett in den Speicherdepots wird aktiviert und tritt vermehrt ins Blut über. Durch die Wirkung von T3 und T4 steigt der Grundumsatz des Körpers. Letztendlich wird so mehr Energie verbraucht.
Calzitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse ist wenig stoffwechselaktiv, es trägt aber in geringem Maße zum Einbau von Phosphat und Kalzium in die Knochen bei und hemmt darüber hinaus die Osteoklasten, die für den Abbau von Knochengewebe verantwortlich sind.


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Schilddrüsenhormone steuern Wachstum und Entwicklung

Vom Stadium des ungeborenen Fötus bis hin zur Pubertät spielen die Schilddrüsenhormone eine wesentliche Rolle. Sind die Botenstoffe nicht in ausreichendem Maße vorhanden, ist eine normale Entwicklung des Ungeborenen nicht möglich. Insbesondere das Nervensystem reagiert sehr empfindlich auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen. Diese sorgen unter anderem dafür, dass Nervenzellen mit einer Schutzschicht ummantelt werden (die sogenannte Myelinisierung), was eine einwandfreie und schnelle Signalübertragung an den Nervenzellen garantiert.
Deshalb kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen in der Entwicklungsphase zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Nervensystems führen.
Das bedeutet, dass besonders Schwangere vom Arzt überprüfen lassen sollten, ob ihre Schilddrüse gut funktioniert.

Thyreotroper Regelkreis: Kontrolle von oben

Bisher haben wir erfahren, dass die Schilddrüse vielfältige und sehr wichtige Aufgaben für den menschlichen Körper erfüllt. Denkt man beispielsweise an hohe Positionen in Politik oder Wirtschaft, lastet im Idealfall die Verantwortung nicht auf den Schultern einer Person, sondern wird von mehreren Instanzen kontrolliert. Im Falle der Schilddrüse sind der Hypothalamus und die Hypophyse die Kontrollorgane.

Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns. Seine Zellen schütten das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) aus. Über das Blut gelangt dieser Botenstoff zur zweiten Kontrollinstanz, der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dieses kleine Organ an der Schädelbasis spielt generell eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt.
In der Hypophyse führt das TRH zur Freisetzung eines weiteren Hormons, dem TSH (Thyreoidea(Schilddrüse)-stimulierendes Hormon). Dieses gelangt wiederum über das Blut zu den Zellen der Schilddrüse. Hier regt TSH die Herstellung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an.
Liegen die beiden Hormone T3 und T4 in hoher Konzentration im Blut vor, werden die Aktivitäten sowohl des Hypothalamus als auch der Hypophyse gedrosselt. Dadurch wird weniger TSH ausgeschüttet – die Anregung der Schilddrüse lässt nach. Weniger T3 und T4 werden hergestellt. Eine hohe T3 und T4-Konzentration unterbindet die Produktion weiterer Hormone. Das Angebot regelt also auch bei den Schilddrüsenhormonen die Nachfrage. Dieser Regelkreis (negative Rückkopplung) gewährleistet einen konstanten Hormonspiegel im Blut.
Umwelteinflüsse, die über unsere Sinne wahrgenommen werden, Stress, Jahreszeiten und der Tag-Nacht-Rhythmus greifen in diesen Regelkreis über die TRH-Freisetzung ein und passen so den Bedarf an Schilddrüsenhormon diesen Einflüssen an.

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Erkrankungen der Schilddrüse

Es gibt eine Vielzahl an Erkrankungen oder Störungen der Schilddrüse. An dem Organ können sowohl gutartige als auch – äußerst selten – bösartige Gewebeveränderungen auftreten. Die häufigste Veränderung ist der Jodmangelkropf, der aber zunächst keine Funktionsstörung bedingt. Die Schilddrüse kann auch entzündet sein, was meist von einer Autoimmunerkrankung verursacht wird. Außerdem ist es möglich, dass bei der Entwicklung der Schilddrüse Probleme auftreten.
Verursacht die Krankheit eine Funktionsstörung des Organs, unterscheidet man:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit der Folge eines Mangels an den Schilddrüsenhormonen T3 und T4
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit der Folge eines Überschusses an den Schilddrüsenhormonen T3 und T4

Der Kropf: vergrößerte Schilddrüse

Jodmangel kann zu einer vergrößerten Schilddrüse (Kropf) führen.

Eine Vergrößerung der Schilddrüse wird als Kropf (Struma) bezeichnet. Der häufigste Grund für diese krankhafte Veränderung ist Jodmangel. Die Zellen der Schilddrüse (Thyreozyten) nehmen aus dem Blut Jodid auf, um Trijodthyronin und Thyroxin (T3 und T4) zu bilden. Ist die Jodidkonzentration im Blut über längere Zeit zu gering, werden mehr Schilddrüsenzellen gebildet und die einzelnen Zellen wachsen. Die gesamte Schilddrüse nimmt dadurch an Volumen zu. So versucht der Körper den Mangel zu kompensieren und das noch vorhandene Jod möglichst effektiv zu nutzen.
Durch jodiertes Speisesalz und andere Jodzusätze in der Nahrung wird ein Jodmangelkropf immer seltener. Heutzutage entsteht er hauptsächlich nur noch dann, wenn erhöhter Bedarf an dem Spurenelement besteht (unter anderem während der Schwangerschaft und der Stillzeit).
Ein Kropf kann auch ein Symptom anderer Schilddrüsenerkrankungen sein (beispielsweise Morbus Basedow).
Zu Beginn kommt es bei einer Struma meist nicht zu einer Funktionsstörung der Schilddrüse. In diesem Stadium sind die veränderten Zellen auch noch diffus über das gesamte Organ verteilt. Im weiteren Verlauf können Bereiche im Gewebe entstehen, die keine Hormone mehr produzieren. Man spricht von kalten Knoten.
Andererseits können sich Bereiche im Schilddrüsengewebe entwickeln, die nicht mehr auf die Steuerung durch das TSH reagieren. Diese heißen Knoten produzieren Hormone in Abhängigkeit vom zugeführten Jod und nicht mehr abhängig vom aktuellen Bedarf an den Botenstoffen. Dies ist meist der Beginn einer Überfunktion der Schilddrüse.
Eine sehr stark vergrößerte Schilddrüse kann auf Luft- und Speiseröhre drücken. Es kommt zu Atem- und Schluckbeschwerden.

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Die Schilddrüsenunterfunktion

Das Hauptmerkmal einer Schilddrüsenunterfunktion, der Hypothyreose, ist ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse sei deutlich häufiger als die Überfunktion, erklärt Professor Gärtner.
Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Unterfunktion (Hypothyreose). Bei primären Unterfunktionen ist die Schilddrüse direkt in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, ausreichend Hormone zu produzieren (beispielsweise aufgrund einer Gewebeschädigung). Bei sekundären Unterfunktionen ist die Schilddrüse an sich intakt, aber die Kontrolle der Schilddrüsenaktivität durch die Hypophyse oder den Hypothalamus ist gestört.

Neben dem Diabetes mellitus ist die Schilddrüsenunterfunktion die häufigste Erkrankung, die den Hormonhaushalt betrifft. In Deutschland leiden circa zehn Prozent der Bevölkerung an einem mehr oder weniger ausgeprägten Mangel an Schilddrüsenhormonen, entweder infolge einer Autoimmunthyreoiditis oder weil die Struma wegen Knoten operativ entfernt wurde. Liegt ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vor, laufen im Allgemeinen die Stoffwechselprozesse im Körper langsamer ab. Die stimulierende Wirkung der Schilddrüsenhormone bleibt aus, der Grundumsatz ist verringert.
Typische Symptome sind unter anderem Müdigkeit, verlangsamte Reflexe und ein allgemeiner Leistungs- und Konzentrationsabfall. In manchen Fällen führt eine Unterfunktion auch zu depressiven Verstimmungen. Verstopfung und Gewichtszunahme sind ebenfalls typische Symptome. Brüchige Nägel und Haarausfall können auftreten. Blutarmut ist möglich.

Chronische Entzündung führt zur Unterfunktion

Die Schilddrüsenüberfunktion

Die Überfunktion der Schilddrüse ist ein Symptom, das bei mehreren Erkrankungen auftreten kann. Das Hauptmerkmal einer Schilddrüsenüberfunktion, der Hyperthyreose, ist ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen. Es werden mehr Hormone produziert, als der Körper benötigt. Der dauerhaft stimulierende Einfluss der Schilddrüsenhormone kann den Organismus in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen. So sind Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen, Reizbarkeit, Angststörungen, übermäßiges Schwitzen typische Symptome. „Eine Überfunktion der Schilddrüse steigert den Grundumsatz des Körpers und kann zu plötzlicher Gewichtsabnahme“ führen, erklärt Professor Gärtner.
Eine Überfunktion der Schilddrüse tritt am häufigsten entweder beim Morbus Basedow oder den heißen Knoten (Schilddrüsenautonomie) auf:

  • Morbus Basedow  (Basedowsche Krankheit)

ist eine organspezifische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das bedeutet, dass das Immunsystem des Körpers gezielt eigene Organe angreift. In diesem Fall die Schilddrüse.
Die Krankheit wurde erstmals 1840 von dem Arzt Karl von Basedow beschrieben. Der Körper bildet Antikörper, die, genau wie TSH selbst, an die Rezeptoren der Schilddrüsenzellen binden. Dadurch wird die Schilddrüse dazu angeregt, vermehrt Hormone zu bilden. Ein Überschuss an den biologischen Botenstoffen entsteht.

Rauchen kann ein Auslöser für Morbus Basedow sein.

Betroffene leiden oft an einer vergrößerten Schilddrüse, einer erhöhten Herzschlagfrequenz und den charakteristischen hervortretenden Augen. Ursache hierfür ist eine Volumenzunahme des Bindegewebes hinter dem Auge. Diese drei Hauptsymptome werden als die Merseburg Trias bezeichnet. Auch das Verdauungssystem kann durch Durchfälle und Darmkrämpfe in Mitleidenschaft gezogen werden. Wirkt sich die Erkrankung auf das Nervensystem aus, leiden die Betroffenen häufig unter einem Tremor. In Deutschland leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung an Morbus Basedow, „wobei Frauen etwa acht Mal häufiger betroffen sind als Männer“, erklärt Professor Gärtner. Die Anlage zur Entwicklung einer organspezifischen Autoimmunerkrankung ist genetisch bedingt. Auslöser der Erkrankung können Stress, Rauchen, Infektionen, Störungen der weiblichen Hormone und viele andere Faktoren sein.

 

  • Schilddrüsenautonomie

Als hauptsächlicher Entstehungsfaktor wird Jodmangel angesehen. Besteht Jodmangel über mehrere Jahre hinweg, beginnt sich das Schilddrüsengewebe zu vermehren. Bei dieser Krankheit sind im Schilddrüsengewebe „autonome“ Zellen entstanden. Sie arbeiten unabhängig von der Kontrolle der Hypophyse durch TSH. Diese Zellen können einzelne (unifokale) oder mehrere (multifokale) autonome Areale in der Schilddrüse bilden. Man nennt solche Gebiete auch heiße Knoten. Diese selbstständig arbeitenden Zellen können aber auch diffus im Gewebe verteilt sein.
Eine ständige Produktion der Schilddrüsenhormone, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf des Körpers an T3 und T4, führt zu einer Schilddrüsenüberfunktion und den damit verbundenen Symptomen.

Es kann auch zu genetischen Veränderungen kommen, die eine Schilddrüsenautonomie nach sich ziehen.

In Gegenden mit ausreichender Jodversorgung ist die Schilddrüseautonomie selten. Es ist also bei ausreichender Jodversorgung eine vermeidbare Erkrankung.

Eine Schilddrüsenunterfuktion kann mit anderen Erkrankungen wie kreisrundem Haarausfall einher gehen.

Die  häufigste Ursache (neben der operativen Entfernung) für eine Unterfunktion ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Genau wie beim Morbus Basedow (siehe unten) handelt es sich bei dieser chronischen Entzündung um eine organspezifische Autoimmunerkrankung: Die Immunzellen des Körpers greifen das Schilddrüsengewebe an und zerstören es schließlich. Die verlorenen Zellen werden durch Bindegewebe ersetzt. Dadurch büßt die Schilddrüse immer mehr an Funktion ein. Es kommt zu einem Mangel an T3 und T4. Die Krankheit bricht häufig in Zeiten hormoneller Umstellungen (beispielsweise Pubertät oder Wechseljahre) aus. Frauen sind zehn Mal häufiger betroffen als Männer. Ähnlich wie bei Morbus Basedow können Stress, Rauchen, Infektionen, Störungen der weiblichen Hormone und viele andere Faktoren ein Auslöser für die Krankheit sein. Betroffene leiden nicht selten an weiteren Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise dem kreisrunden Haarausfall (Alopezie).

Neben der Hashimoto-Thyreoiditis kann die subakute Thyreoiditis, auch Thyreoiditis de Quervain genannt,  zu einer Unterfunktion führen. Es handelt sich um eine durch Entzündungs-Botenstoffe (Zytokine) hervorgerufene Entzündung der Schilddrüse. Die Erkrankung tritt meist einige Wochen nach einem Virusinfekt auf. Sie ist anfangs sehr schmerzhaft, zerstört Schilddrüsengewebe, und es kommt zu einem passiven Freisetzen von gespeicherten Schilddrüsenhormonen. Unbehandelt kann sich daraus dann eine Unterfunktion entwickeln.

Bakterielle Entzündungen der Schilddrüse sind extrem selten.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch angeboren sein. Grund ist dann meist eine fehlerhafte oder unvollständige Entwicklung des Organs beim Ungeborenen. Etwa eines von 3.000 Kindern ist davon betroffen, wird aber durch das „Neugeborenen-Screening“ in der Regel rechtzeitig entdeckt.

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Schilddrüse kann von Tumoren befallen werden

Wie in jedem Organ des Körpers können sich auch in der Schilddrüse bösartige Tumoren bilden, aber: „Nur etwa ein Prozent aller Karzinome betreffen die Schilddrüse“, erklärt Professor Gärtner. In den meisten Fällen geht die Tumorentwicklung von den Schilddrüsenzellen (Thyreozyten) aus. Seltener sind Geschwüre, die ihren Ursprung in den C-Zellen haben. Man unterscheidet mehrere Typen des Schilddrüsenkarzinoms, die anhand ihres Ursprungs, ihrer Gewebestruktur und der Art der Metastasenbildung eingeteilt werden.

Schilddrüsenerkrankungen oft gut therapierbar

In der Regel sind Erkrankungen der Schilddrüse gut therapierbar, wenn sie früh genug erkannt werden. Besonders im Alter äußern sich eine Unterfunktion und ein Mangel an Schilddrüsenhormonen oft nur durch körperlichen Leistungsabfall. Diese unspezifischen Symptome machen die rechtzeitige Diagnose eines Schilddrüsenleidens oft schwierig.

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Bilder: Wikimedia Commons/GNU Free Documentation License (6), Wikimedia Commons/Nguyien GK et al. (1), Shutterstock (4)

Animationen: Forum Schilddrüse e.V. (2)

Glossar

Alopezie (Alopecia)
Bezeichnet den Haarausfall, der über das täglich normale Maß von bis zu 100 ausfallenden Haaren hinausgeht. Die Alopezie führt zu sichtbar lichten Stellen im Haupthaar. Man unterscheidet mehrere Formen:

  • Androgenetische Alopezie: der erblich bedingte Haarausfall; tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf
  • Alopecia areata: der kreisrunde Haarausfall
  • Vernarbende Alopezie (Alopecia cicatricialis):  Die Haare fallen infolge einer Erkrankung der Kopfhaut aus. Gründe können zum Beispiel Verbrennung, Gürtelrose am Kopf und Pilzinfektionen sein
  • Diffuse Alopezie: die Haare fallen über den ganzen Kopf verteilt aus. Die Gesamtdichte des Haupthaares nimmt ab. Der diffuse Haarausfall ist nicht androgenetisch bedingt, es treten keine einzelnen kahlen Stellen auf.

Aminosäuren
Chemische Verbindungen, aus denen die Proteine (Eiweiße) aufgebaut sind. Es gibt 20 verschiedene Aminosäuren. Der Körper bildet Proteine aus Aminosäuren, die er über die Nahrung aufnimmt.

Antikörper
Bestandteile des körpereigenen Immunsystems, sie werden von speziellen weißen Blutzellen (B-Zellen) gebildet. Sie sind in der Lage, bestimmte „körperfremde“ Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Zellen zu erkennen und daran anzudocken. Dadurch sind diese Zellen markiert und sichtbar für die Killerzellen des Immunsystems. Antikörper können aber auch gezielt Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen besetzen und damit die Weitergabe von Signalen innerhalb der Zelle unterbrechen.

Autoimmunerkrankung
Überbegriff für Krankheiten, die durch eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen werden. Die Immunreaktion richtet sich dabei gegen körpereigenes Gewebe, das irrtümlicherweise als zu bekämpfender Fremdkörper erkannt wird. Die Folgen sind schwere Entzündungen, die die betroffenen Organe schädigen.

Calzitonin
Hormon, das in Spezialdrüsenzellen der Schilddrüse gebildet wird und die Osteoklasten in ihrer Wirkung hemmt. Somit sinkt unter Calzitonin der Kalziumspiegel im Blut.

Enzym
Für den Stoffwechsel essentielles Protein (Eiweiß), das im Körper biochemische Reaktionen beschleunigt

Hormon
Biochemischer Botenstoff, der innerhalb eines Lebewesens Informationen übermittelt

Kalzium
Erdalkalimetall, das im Körper hauptsächlich im Knochen fest gebunden vorkommt. Außerdem spielt Kalzium bei der Blutgerinnung, der Nervenreizübertragung, der Muskelbewegung und der Hormonausschüttung eine Rolle.

Osteoklast
Durch Fusion von Vorläuferzellen aus dem Knochenmark entstandene Riesenzelle, die dem Knochenabbau dient

Parathormon
In den Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) gebildetes Hormon, das auf die Osteoklasten stimulierend wirkt. Der Kalziumgehalt im Blut steigt unter Parathormoneinfluss.

Phosphate
Salze der Phosphorsäure, die im Körper beim Molekülaufbau von großer Bedeutung sind. So sind sie nötig bei der Bildung der DNS/DNA. Auch beim Knochenaufbau haben sie eine entscheidende Rolle, denn erst durch die Einlagerung von Kalziumphosphat wird der Knochen fest und belastbar.

Rezeptor
Bindungsstelle auf oder in Zellen für Signalstoffe (zum Beispiel Wachstumsfaktoren, Überträgerstoffe, Hormone), die in der Zelle bestimmte Prozesse anregen.

Im Bereich des Nervensytems bezeichnet Rezeptor auch eine reizaufnehmende Nervenzelle.

Tremor
Bewegungsstörung mit rhythmischen, wiederkehrenden Bewegungsmustern.

Zytokine
Eiweißstoffe, die hauptsächlich von Zellen des körpereigenen Immunsystems gebildet werden und der Regelung einer Immunantwort dienen