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Arthrose – schmerzhafter Verschleiß
Die Arthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen. Der elastische und gleitfähige Gelenkknorpel, der normalerweise eine reibungsfreie Bewegung ermöglicht, wird abgenutzt. Am Ende geht der Knorpel ganz verloren. Dann reiben die Gelenkknochen ungeschützt aufeinander. Die Folge: Jede Bewegung schmerzt.

Bei der Arthrose geht der Knorpel im Gelenk verloren.
Arthrose ist eine Volkskrankheit. Bereits mit 35 Jahren leidet ungefähr ein Drittel der Bevölkerung unter arthrotischen Veränderungen in mindestens einem Gelenk. Bei etwa 75 % der über 50-Jährigen und 90% der 75-Jährigen ist die Krankheit nachgewiesen.
Die Ursachen für den degenerativen Gelenkverschleiß sind noch nicht vollständig geklärt. Oft sind Verletzungen, Fehlstellungen der Gelenke oder auch Stoffwechselerkrankungen Auslöser für die Entstehung der Arthrose.
Das gesunde Gelenk – beweglich, elastisch, stabil
Gelenke sind ein wichtiger Bestandteil unseres Knochengerüsts. So geben die Knochen unserem Skelett die nötige Stabilität – die Beweglichkeit jedoch wird durch unsere Gelenke und Muskeln gewährleistet. Als Verbindungsstelle zwischen zwei Knochen dienen verschiedene Arten von Gelenken, beispielsweise Kugelgelenke (wie das Schulter- oder Hüftgelenk), Scharniergelenke (zum Beispiel am Ellenbogen), Zapfengelenke (zwischen den Köpfen von Elle und Speiche) oder Sattelgelenke (Daumengrundgelenk).
Ein Gelenk (in der Fachsprache Articulatio) verbindet zwei Knochen miteinander. Die Knochenenden sind durch den Gelenkspalt getrennt und mit Knorpel überzogen. Zusammengehalten werden die Knochen im Gelenk durch Kapseln und Bänder. Die das Gelenk umgebende Muskulatur presst die Gelenkteile gegeneinander und sorgt für noch mehr Stabilität. Am Kniegelenk beispielsweise gibt es darüber hinaus noch eine zusätzliche Gelenkscheibe, den Meniskus, und zwei (Kreuz-)Bänder im Gelenkinnenraum.
Ausgekleidet ist die Gelenkhöhle mit einer Schleimhaut (Synovialis). Sie produziert die Gelenkschmiere (Synovia), die die Reibung im Gelenk auf ein Minimum reduziert; außerdem dient sie der Versorgung des blutgefäßfreien Knorpels. Umgeben ist das ganze Gelenk von der Gelenkkapsel.
Knorpel als Stoßdämpfer
Der menschliche Körper hat verschiedene Arten von Knorpel. Beispielsweise ist der hyaline Gelenkknorpel sehr wasserreich, durchsichtig, und er hat eine sehr glatte Oberfläche. Gemeinsam mit der Gelenkschmiere sorgt die glatte Knorpelschicht für eine reibungsarme Beweglichkeit der Gelenkflächen und dafür, dass die Gelenke trotz hoher Krafteinwirkung geschont werden. Zwischen den Skeletteilen wirkt Knorpel als ausgleichendes Polster.
Eine weitere Aufgabe des Knorpels ist es, Druck- und Scherkräfte aufzunehmen, abzufedern und gleichmäßig zu verteilen. Ein gesunder Gelenkknorpel ist sehr elastisch und verformbar: Wie ein Schwamm kann das Knorpelgewebe Wasser aufnehmen und auch wieder abgeben. Wirken starke Stoßkräfte (beispielsweise beim Rennen oder beim Landen nach einem Sprung) auf das Gelenk, wird das Wasser aus dem Knorpel herausgepresst und der Druck gleichmäßig auf das komplette Gelenk verteilt. Somit ist der Knorpel eine Art Stoßdämpfer. Je nach Dicke kann eine gesunde Knorpelschicht Kräfte abfedern, die dem Fünf- bis Siebenfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen.
Bei der Arthrose geht die polsternde, schützende Knorpelschicht im Gelenk nach und nach verloren. Das ist besonders folgenschwer, da ein beschädigter Knorpel sich nicht regeneriert.
Arthrose und ihre verschiedenen Formen
Je nach Ursache unterscheidet die Medizin zwei verschiedene Arten der Arthrose: die primäre und die sekundäre Form. Die Ursachen für die primäre (oder auch idiopathische) Arthrose gelten bislang als ungeklärt, wogegen die sekundäre und wesentlich häufigere Arthrose viele unterschiedliche Ursachen haben kann. Unter anderem sind das angeborene Fehlstellungen der Gelenke (beispielsweise X- oder O-Beine), Übergewicht, Gelenkverletzungen oder auch verschiedene Stoffwechselerkrankungen. (Für weitere Ursachen: siehe Kapitel Risikofaktoren)

Jedes Gelenk kann von Arthrose befallen werden.
Abhängig davon, welches Gelenk vom krankhaften Gelenkverschleiß betroffen ist, unterscheidet der Mediziner bei der sekundären Form unter anderem in:
- Gonarthrosen im Kniegelenk (die weitaus häufigste Form der Arthrose)
- Spondylarthrosen in den Wirbelsäulengelenken (die zweithäufigste Form der Erkrankung)
- Koxarthrosen im Hüftgelenk
- Omarthrosen in der Schulter
Desweiteren kann die Arthrose in allen anderen Gelenken – wie Kiefer-, Fuß-, Finger- und Daumensattelgelenk – auftreten.
Eine wiederum andere Einteilung berücksichtigt den Aktivitäts- oder Entzündungsgrad der Arthrose. So bereitet die sogenannte latente oder stumme Arthrose dem Erkrankten meist keine Beschwerden, schreitet aber schleichend voran. Die aktivierte Arthrose hingegen führt zu starken Schmerzen und Entzündungen im betroffenen Gelenk.
Zuletzt ist noch die Benennung der Arthrose nach der ungefähren Anzahl der befallenen Gelenke zu nennen. Ist nur ein Gelenk vom krankhaften Gelenkverschleiß betroffen, spricht der Mediziner von einer Monarthrose. Bei einer Oligoarthrose hingegen sind einige (wenige) Gelenke und bei der Polyarthrose viele Gelenke befallen.
Entstehung und Verlauf der Arthrose
Arthrose ist eine Abnutzungserscheinung der Gelenke. In der Anfangsphase der Erkrankung raut die sonst so glatte Knorpeloberfläche langsam auf. In der Folge sterben die Knorpelzellen, die normalerweise so lange leben wie wir selbst, langsam ab. So verliert der Knorpel auch seine wesentlichen Eigenschaften – etwa die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und wieder abzugeben. Er wird unelastisch, rau und weniger belastungsfähig. Daher nutzt sich der Knorpel an stark belasteten Stellen auch früher ab.
Ist die Knorpelschicht erst rau und brüchig geworden, entsteht Knorpelabrieb. Im Gelenk sammeln sich kleine abgestorbene Knorpelteilchen (Detritus). Diese reizen die Gelenkinnenhaut und verursachen schmerzhafte Entzündungen. Ist das Gelenk entzündet, spricht man nun von einer aktivierten Arthrose. Das Gelenk versucht sich selbst zu schützen und bildet vermehrt Gelenkflüssigkeit (Synovia), um seine Gleiteigenschaften zu verbessern. Diese Flüssigkeitsansammlung bewirkt jedoch eher das Gegenteil: Es bildet sich ein Gelenkerguss, der zu Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Empfindungsstörungen führt. Die aktivierte Arthrose ist für den Betroffenen ein hochakuter schmerzhafter Entzündungszustand des Gelenks (arthrotischer Reizzustand). Die Entzündung verursacht lokale Überwärmungen. Das Gelenk fühlt sich heiß an. Die starken Schmerzen zwingen den Erkrankten dazu, sein Gelenk zu schonen. Die mangelnde Bewegung wiederum bewirkt, dass die gelenkumgebende Muskulatur schrumpft (Muskelatrophie).

Ist die Arthrose bereits weit fortgeschritten, können Osteophyten entstehen.
Schreitet die Arthrose weiter fort, nimmt auch der Gelenkknochen selbst Schaden. Der Körper versucht, dem Druck im Gelenk besser standzuhalten, indem er an den Randbereichen der Gelenkflächen vermehrt Knochenmaterial in Form von Knochenwülsten und Knochenspornen (Osteophyten) anbaut. Diese führen jedoch wiederum zu Schmerzen und weiteren Bewegungseinschränkungen. Ist der Knorpel sehr dünn, wird der Gelenkspalt, besonders unter Belastung, enger. Die Gelenkknochen nähern sich einander. Die Gelenkkapsel und die umgebenden Bänder verlieren an Zugkraft. Sie können nun dem Gelenk keinen ausreichenden Halt mehr geben. Bewegungsimpulse werden weniger gedämpft und nahezu ungebremst auf das schon geschädigte Gelenk übertragen. Die Gelenkführung wird instabil, was wiederum den krankhaften Verschleiß beschleunigt.
In den Endstadien der Krankheit verformen sich die Knochen und die Gelenkachse. Häufig ist der gesamte Gelenkknorpel abgerieben. Man spricht nun von einer ausgebrannten Arthrose. Meist sind die Gelenke nicht mehr entzündet, dafür aber deformiert und in ihrer Beweglichkeit sehr stark eingeschränkt. Aufgrund von Muskel- und Sehnenverkürzungen und vermehrten Knochenanbauten werden die Gelenke zunehmend steif. Schmerz, verminderte Stabilität und Bewegungseinschränkung gelten als die typischen Beschwerden der Erkrankung.
Medizinisch wird die Arthrose aufgrund des im Röntgenbild sichtbaren Ausmaßes der Gelenkveränderung in verschiedene Krankheitsgrade eingeteilt:
- Grad 1: Verdichtung der unter dem Knorpel liegenden Knochenschicht = initiale (beginnende) Arthrose
- Grad 2: Mäßige Verengung des Gelenkspaltes und Verdichtung der unter dem Knorpel liegenden Knochenschicht (subchondrale Sklerosierung) und beginnende Osteophytenbildung (knöcherne Anlagerungen von Wulsten am Gelenkknochen) = mäßige Arthrose
- Grad 3: Osteophytenbildung (knöcherne Anlagerungen von Wulsten am Gelenkknochen) mit Gelenkspaltverschmälerung und ausgeprägter subchondraler Sklerosierung = mittelgradige Arthrose
- Grad 4: Gelenkzerstörung mit ausgeprägter Verschmälerung bis Aufhebung des Gelenkspalts und unruhiger Randkontur, zystische Veränderungen, Gelenk-Instabilitäts- bzw. Subluxationsstellung (Verrenkung/Verformung der Gelenke) = ausgeprägte Arthrose.
Ursachen der Arthrose – die Risikofaktoren
Generell kann jeder Mensch früher oder später die Diagnose Arthrose erhalten. Das Risiko, im Laufe des Lebens daran zu erkranken, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Zwar sind noch nicht alle Ursachen der Erkrankung bekannt, einige Faktoren erhöhen allerdings die Wahrscheinlichkeit der krankhaften Gelenkabnutzung.
Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr steigt die Zahl der Arthroseerkrankungen dramatisch. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen nach den Wechseljahren tragen ein weitaus höheres Risiko als Männer, eines Tages an Arthrose der Knie oder Finger zu erkranken. Man vermutet, dass die hormonelle Umstellung in der Menopause dafür verantwortlich ist. Weitere Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen sind:
Gelenkdeformierungen
Arthrose an den Knie- und Hüftgelenken ist sehr viel häufiger als an den Armgelenken, da die Beine einer größeren Belastung ausgesetzt sind. Jedoch führt die moderate alltägliche Belastung bei einer natürlichen Stellung der Beine und ungestörter Gelenkbewegung keineswegs zum krankhaften Verschleiß der Gelenke. Vielmehr sind Deformierungen der Gelenke für den übermäßigen Knorpelverlust verantwortlich. Sie führen zu einer ungleichmäßigen Belastung und Abnutzung der Gelenke. So sind O- oder X-Beine häufig Ursache für eine Arthrose der unteren Extremitäten. Neben anderen Fehlstellungen begünstigen auch angeborene Hüftluxationen, Skoliose, Rundkrücken, Hohlkreuz, Flachrücken sowie Platt-, Klump- oder Knicksenkfüße eine Arthrose.

Knochenbrüche begünstigen die Entstehung der Arhtrose
Verletzungen
Knochen-, Bänder- oder Sehnenverletzungen können zu einer bleibenden Schädigung, Fehlstellung, Instabilität oder Unterversorgung des Gelenks und somit zu Arthrose führen. Neben daraus resultierenden Schon- und Fehlhaltungen der Gelenke kann auch die Verletzung selbst Einfluss auf die Ausbildung einer Arthrose haben. Kommt es nach Gelenkverletzungen oder gelenknahen Verletzungen zu Einblutungen (Bluterguss), strömen häufig auch verschiedene biochemische Stoffe in das Gelenk – zum Teil in großen Mengen. Von einigen dieser Stoffe wird vermutet, dass sie in hoher Konzentration den Knorpel verändern und somit den Gelenkverschleiß begünstigen (biochemisch bedingte Arthrose).
Stoffwechselstörungen
Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Gicht, beeinträchtigen durch ihre vielfältigen Einflüsse auf den Körper unter anderem auch die Versorgung und die Funktion der Gelenke. So werden die Gelenke nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt oder es kommt zur Ablagerung von Stoffen und Kristallen, die den Knorpel direkt angreifen.
Entzündungen
Gelenkentzündungen, wie die rheumatoide Arthritis, schädigen die Gelenke und begünstigen die Entstehung einer Arthrose. Auch die Psoriasis (Schuppenflechte) kann die Gelenke befallen. Bei schweren Formen führen die Gelenkentzündungen nicht selten zu Deformierungen der Finger und Zehen.
Bakterielle Erkrankungen können zum Teil auch auf die Gelenke übergreifen und somit die Ursache einer Arthrose sein. Zu nennen sind hier die Borreliose
(meist infolge eines Zeckenbisses), Scharlach oder die bakterielle Arthritis.
Durchblutungsstörungen
Erreicht zu wenig sauerstoff- und nährstoffreiches Blut die Gelenke, werden diese nicht mehr ausreichend versorgt, es kommt zur Schädigung der von den Durchblutungsstörungen betroffenen Regionen und natürölich auch der Gelnke, die sich hier befinden. Am häufigsten sind die Beine betroffen (Venenleiden, Krampfadern).
Medikamente
Medikamente, insbesondere Kortisonpräparate, können dem Gelenkknorpel schaden und somit zur Entstehung einer Arthrose beitragen. Betroffen sind nach längerer Kortisoneinnahme besonders häufig die Hüft- oder Oberarmgelenke.
Übergewicht
Übergewicht gilt als ein Hauptrisikofaktor für Arthroseerkrankungen. Der Grund: Jedes Kilo mehr auf der Waage bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Gelenke. Umgekehrt kann eine Gewichtsreduzierung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Einseitige Belastung/Überbelastung
Bestimmte Berufe sind mit einem gesteigerten Arthrose-Risiko verbunden (beispielsweise der Beruf des Fliesenlegers). Viele Berufstätige sitzen während eines Großteils ihrer Arbeitszeit und schaffen in ihrer Freizeit keinen Ausgleich. Dieser Bewegungsmangel führt dazu, dass der Stoffwechsel im Gelenk abnimmt. Als Beispiel sei hier die Kniescheibe angeführt: Im Sitzen ist das Knie die meiste Zeit gebeugt und die Kniescheibe wird eng an das Kniegelenk gepresst; dieser permanente Druck führt zu einer Mangelversorgung der Gelenkflächen.
Bewegungsmangel
Der hyaline Knorpel ist nicht von Blutgefäßen durchzogen, der Nährstofftransport wird nur durch Bewegung gewährleistet. Fehlt es an Bewegung, dann ist der Gelenknorpel mit Nährstoffen unterversorgt. Bewegungsmangel legt daher den Grundstein für die Entstehung einer Arthrose.
Genetische Veranlagung
Es konnte noch nicht sicher nachgewiesen werden, dass die Disposition, an Arthrose zu erkranken, erblich ist – vieles deutet jedoch darauf hin, dass es genetische Zusammenhänge gibt, wobei teilweise eine oder auch mehrere Generationen übersprungen werden können.
Sport und Arthrose – Ursache oder Hoffnung?
Arthrose – das bedeutet die übermäßige Abnutzung der Gelenke. Allerdings ist es ein Irrtum zu glauben, besondere Schonung wirke sich positiv auf die Gelenke aus. Bewegungsmangel ist einer der wichtigsten Risikofaktoren einer Arthroseerkrankung.

Auch Sportunfälle können Arthrose verursachen.
Sport und Sportunfälle können Arthrose sowohl verursachen als auch verschlimmern. Andererseits ist Sport ein äußerst gutes Mittel, der Krankheit vorzubeugen, ihren Verlauf positiv zu beeinflussen und die Symptome wirksam zu mildern. Ausschlaggebend für die positive oder negative Wirkung sportlicher Betätigung sind stets die individuelle Situation des Betroffenen und das Stadium der Erkrankung.
Bei der Frage, ob Arthrosepatienten oder -gefährdete Sport treiben sollten, ist stets zu berücksichtigen, dass eine Arthrose auch bei Minderbeanspruchung der Gelenke entstehen kann. Daher ist die Wahl der Sportart entscheidend. Es gilt: Der Sport sollte die Gelenke physiologisch belasten, sie aber nicht überlasten.
Sport gegen Arthrose
Die Erfahrung zeigt, dass sehr viele Ausdauersportler, etwa Marathonläufer oder Radrennfahrer, sowie körperliche Schwerarbeiter nicht häufiger als andere an Arthrose erkranken, solange sie die Gelenke ihrer Funktion entsprechend belasten. Langstreckenläufer oder Radrennfahrer mit zum Teil extremen Trainingsleistungen zeigen bei von vornherein gesunden Gelenken keine überproportionale Arthroseneigung – auch nicht, wenn der Sport bis ins hohe Alter betrieben wird. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass Ausdauersportler seltener als andere am Gelenkverschleiß erkranken. Stellt sich also die Frage, wie Sport die Gelenke schützt.
Bewegung – das A und O für gesunde Gelenke

Nährstoffaustausch im Gelenk
Bewegung hält den Knorpel fit, denn sie fördert die Nährstoffversorgung. Anders als der Knochen besitzt der Gelenkknorpel keine Gefäße, die ihn mit Blut versorgen. Daher braucht der Knorpel die Gelenkflüssigkeit, um an Nährstoffe zu gelangen. Über die sogenannte Diffusion, den Stoffaustausch mittels Wanderung von Flüssigkeiten, werden elektrisch geladene Teilchen durch die Gelenkmembran befördert. Auf diesem Weg kann der Knorpel verbrauchte Stoffe abgeben und frische Nährstoffe aufnehmen. Ein optimaler Stoffaustausch ist jedoch nur durch regelmäßige Bewegung der Gelenke gewährleistet. Bei Belastung wird der Knorpel wie ein Schwamm ausgepresst und die Flüssigkeit mitsamt der Stoffwechselschlacke abgegeben. Die darauf folgende Entlastung bewirkt, dass neue und nährstoffreiche Gelenkflüssigkeit aufgesaugt wird. Hat das Gelenk nicht ausreichend Bewegung, sterben wegen der Unterversorgung Knorpelzellen ab, zusätzlich werden chemische Stoffe freigesetzt, die denKnorpel aufweichen und zerstören. Deshalb ist ausreichend Bewegung ein Muss, um einer Arthrose vorzubeugen, aber auch, wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist.
Absolut unverzichtbar ist auch die konsequente Stärkung der Muskulatur. Durch sportliche Betätigung werden die gelenkumgebenden Muskeln gekräftigt. Diese haben eine wichtige Aufgabe. Sie entlasten und stabilisieren die Gelenke. Bei Belastung fängt die Muskulatur einen großen Teil der Bewegungsenergie auf, sodass Stöße auf den Gelenkknorpel gedämpft und Schädigungen weitgehend vermieden werden. Daher ist die Kräftigung der Muskulatur insbesondere bei bestehender Arthrose besonders wichtig. Eine starke Muskulatur schützt vor weiteren schädlichen Einflüssen auf das bereits erkrankte Gelenk. Eine bessere aktive muskuläre Stabilisierung unterstützt aber nicht nur den Knorpel selbst. Auch andere Gelenkstrukturen wie Bänder und Kapseln werden vor Überdehnung und Zerreißen geschützt, bestehende Instabilitäten vermindert und das Risiko neu auftretender Gelenkverletzungen reduziert.
Sehr wichtig: Neben der Stärkung durch Muskelanspannung muss auch auf eine regelmäßige Dehnung der Muskulatur geachtet werden. Denn eine schmerzbedingte Schonhaltung des Gelenks kann eine Verkürzung der Muskulatur bewirken. Die daraus resultierende Fehlbelastung des Gelenks führt wiederum zu einer vermehrten Abnutzung des bereits erkrankten Knorpels und somit zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes.
Sport als Auslöser der Arthrose
Sind beispielsweise Ausdauersportler nicht übermäßig von Arthrose betroffen, steigern andere Sportarten jedoch nachweislich das Risiko, an der übermäßigen Gelenkabnutzung zu erkranken. Sport, der die Gelenke extremen Belastungen aussetzt – wie beispielsweise das Gewichtheben –, schadet dem Gelenkknorpel (Gewichtheber leiden häufig an einer schmerzhaften Kniegelenksarthrose). Aufgrund des enormen Drucks auf die Gelenke beim Heben der Gewichte gibt der Knorpel vermehrt Flüssigkeit ab. Die starke und zum Teil abrupte Flüssigkeitsabgabe bewirkt, dass der Knorpel an Festigkeit und Elastizität verliert. Er wird verletzungsanfällig. Der Dauerdruck kann den Gelenkknorpel so empfindlich werden lassen, dass er dann auch bei normaler Beanspruchung Schäden erleidet.
Noch maßgeblicher beeinflussen sportbedingte Verletzungen die Entstehung einer Arthrose. Bremst der Sportler beispielsweise aus hoher Geschwindigkeit abrupt ab, etwa bei einem Zusammenprall oder Sturz, kann es in allen Geweben, auch dem Knorpel und den Gelenkflächen, zu Verletzungen kommen. Solche Schädigungen des Gelenkknorpels heilen meist sehr schwer oder häufig gar nicht mehr vollständig aus. Oft bleibt ein Dauerschaden zurück, das Gelenk ist nicht mehr voll belastbar, eine Arthrose entsteht.

Mikrotraumen bleiben zunächst meist unbemerkt.
Sind die Verletzungen so schwer, dass der Betroffene sie wegen des heftigen Schmerzes sofort spürt (beispielsweise Knochenbrüche oder Bandverletzungen), nennt der Mediziner die Verletzung Makrotrauma. Daneben gibt es jedoch auch Schädigungen, die zunächst unbemerkt ablaufen: sogenannte Mikrotraumen. Auch ein Mikrotrauma kann bleibende posttraumatische Schädigungen der Gelenke hervorrufen. Summieren sich diese Kleinstverletzungen, etwa am Gelenkknorpel, zu stark, führen auch sie zu degenerativen Veränderungen – also zur Arthrose. Der der Verletzte ein Mikrotrauma zunächst nicht wahrnimmt und das entsprechende Gelenk daher weder schont noch medizinisch behandeln lässt, kann an einem derart vorgeschädigten Gelenk bereits ganz normale Belastung zu weiteren Verletzungen und somit zu einem stark erhöhten Arthroserisiko führen.
Guter Sport – schlechter Sport
Im Allgemeinen sind Sportarten mit gleichmäßigen, rhythmischen Bewegungen und wenig Belastung zu empfehlen. Vermieden werden sollten starke, abrupte Impulse auf die Gelenke (beispielsweise beim Landen nach einem Sprung), extreme Bewegungen (insbesondere Drehbewegungen) und plötzliche Richtungsänderungen. Natürlich birgt auch jede Sportart mit hoher Verletzungsgefahr ein potenzielles Arthroserisiko. Eine ausführliche Liste der empfohlenen und schädlichen Sportarten findet sich im Ratgeberteil.
Quellen:
Wolfgang Noack, Arthrose und Sport. Anregungen für empfehlenswerte Sportarten bei Arthrose. Karl Schmidt, 2001
www.movenet24.de/publikation/arthrose_sport.pdf
Michael Vitek, Das Anti-Arthrose-Programm, Kneipp Verlag, Wien 2007
Jürgen Fischer, Das Arthrose-Stopp-Programm, Trias Verlag, Stuttgart 2008
Bilder: Shutterstock (3), Prof. Noack (6), TeleDesign München (1)
Animationen: u.A. TeleDesign München
Glossar
Degeneration
Veränderungen eines Körpers, eines Zellverbandes oder einer Zelle, die deren Funktion oder Aussehen betreffen und im Vergleich zum Normalzustand eine Verschlechterung darstellen
Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
Diabetes mellitus bedeutet übersetzt: „honigsüßer Durchfluss“. Chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Blut einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufweist. Diabestes mellitus zeichnet sich durch absoluten Insulinmangel (Diabetes Typ 1) oder relativen Insulinmangel (Diabetes Typ 2) aus.
Gicht (Arthritis Urica)
Durch ein Überangebot an Harnsäure hervorgerufene rheumatische Gelenkentzündung
Hüftluxation
Verrenkung, Ausrenkung des Hüftgelenks
Hyalin
Eiweißkörper unterschiedlicher Zusammensetzung
Idiopathisch
Krankheiten, bei denen die Ursache nicht genau geklärt ist
Kortison
Hormon, das in der Nebennierenrinde des Menschen gebildet wird. Die heute in der Medizin verwendeten Glukokortikoide sind chemisch verwandt mit diesem natürlichen Kortison. Sie werden vor allem zur Behandlung von Entzündungen eingesetzt, bei Asthma, Rheuma und bei Hautkrankheiten. Bei niedriger Dosierung kommt es kaum zu Nebenwirkungen.
Menopause
Das natürliche Ende der Menstruation (monatliche Regelblutung). Die Eierstöcke stellen nach und nach ihre Funktion ein, bis die Fruchtbarkeit schließlich beendet ist. Die Übergangsphase in den Jahren vor und nach der Menopause, in denen sich der Hormonhaushalt umstellt, bezeichnet man als Wechseljahre (Klimakterium). Die Menopause tritt gewöhnlich zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein.
Physiologisch
Den natürlichen Umständen entsprechend
Posttraumatisch
Als Folge einer Verletzung auftretend
Psoriasis (Schuppenflechte)
Eine nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie äußert sich durch bis zu apfelgroße stark schuppende Hautstellen, die häufig an den Knien, Ellenbogen und der Kopfhaut auftreten. Die Schuppenflechte ist wie die rheumatoide Arthritis eine Autoimmunerkrankung, die sich auch an anderen Organen, wie beispielsweise den Gelenken zeigen kann.
Rheumatoide Arthritis
Gelenkentzündung, entzündliche Veränderungen an den Gelenkflächen mit Gelenkergüssen
Scharlach
Durch Streptokokken hervorgerufene Infektionskrankheit. Meist bei Kindern.
Sklerosierung
Gewebsverhärtung, Entstehung krankhafter Verhärtung von Geweben, Organen oder Organteilen.
Bei Krampfadern: Veröden von Krampfadern durch Einspritzen eines wandschädigenden Mittels, wodurch die Vene verschlossen und für den Blutstrom unpassierbar wird.
Skoliose
Seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule
Subluxation
Teilverrenkung, unvollständige Verrenkung eines Gelenkes
Zystisch
Zysten bildend











