Der Infokanal von

HIV – AIDS – T-Helferzellen – CD-4 Zellen – Infektion – Epidemie – Retrovirus

HIV – die globale Gefahr

Rock Hudson, Anthony Perkins, Keith Haring, Rudolf Nurejew und Freddie Mercury – sie alle starben an den Folgen einer HIV-Infektion. Damals war das zwangsläufig so. Doch was früher einem Todesurteil gleichkam, hat sich mittlerweile in eine behandelbare chronische Erkrankung verwandelt. Es gibt zunehmend Hoffnung, denn die moderne Medizin kann immer bessere Waffen im Kampf gegen HIV aufbieten.

Inhaltsverzeichnis

3000 Neuinfektionen pro Jahr

HIV-Patienten haben heutzutage eine annähernd normale Lebenserwartung, wenn sie fachgerecht behandelt werden. Dennoch ist die Infektion nach wie vor gefährlich und auch wenn die Erkrankung mittlerweile behandelbar ist: Besser lebt es sich ohne sie. Seit 2007 ist nach Angaben des Robert Koch Instituts die Zahl der HIV-Neudiagnosen in der Bundesrepublik Deutschland stabil: Bei ungefähr 3000 Menschen wird jedes Jahr das Virus dignostiziert. Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2006 war die Zahl jedoch angestiegen. Besonders ausgeprägt war dieser Trend bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM).

In Deutschland bilden MSM mit einem Anteil von 65 Prozent an allen Infizierten die größte Gruppe von Betroffenen. Weltweit verteilen sich die Erkrankungen aber zu etwa gleichen Teilen auf Männer und Frauen. Neudiagnosen im Rahmen heterosexueller Kontakte gingen von 2007 bis 2008 leicht zurück. Jedoch gab es dabei regional unterschiedliche Entwicklungen: in Baden-Württemberg wurden etwa die Hälfte weniger Neudiagnosen verzeichnet, in Berlin/Brandenburg hingegen ein deutlicher Anstieg. Insgesamt leben nach Schätzungen des Robert Koch Instituts in Deutschland Ende 2009 rund 67.000 Menschen mit einer HIV-Infektion.

Globales Problem nimmt zu

Im Jahr 2007 trugen nach Angaben von UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) weltweit 33 Millionen Menschen das HI-Virus in sich, darunter hatten sich allein in 2007 2,7 Millionen Menschen neu infiziert; 2 Millionen Menschen starben in dem Jahr an den Folgen der Erkrankung. Auch wenn die Infektionszahlen in einigen Ländern rückläufig sind, so nimmt doch die globale Epidemie stetig zu. Anführer in der Statistik sind hauptsächlich die afrikanischen Länder südlich der Sahara, wo mit geschätzten 22 Millionen Menschen weltweit die mit Abstand höchste Rate an HIV-Infektionen besteht; über 15 Prozent aller Erwachsenen dort sind Virusträger. Auch die Neuinfektionsrate steht dort mit rund 1,9 Millionen Fällen im Jahr 2007 weltweit an erster Stelle, von den 2 Millionen an den Folgen der Infektion verstorbenen Menschen lebten etwa 1,5 Millionen in dieser Region. An zweiter Stelle der Statistik stehen Süd- und Südostasien mit 4,2 Millionen HIV-Fällen.

Prozentualer Anteil der HIV-infizierten Erwachsenen auf der Welt

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Virus existiert vermutlich seit über 100 Jahren

Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung im Juni 1981 im wöchentlichen Report des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Damals hatten sich bei zuvor gesunden homosexuellen Männern seltene und ungewöhnliche tödliche Erkrankungen gehäuft, als deren Ursache schon nach wenigen Monaten eine erworbene Immunschwäche erkannt wurde. Sie brachte der Erkrankung den Namen AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ein. Im Jahr 1983 konnten die französischen Wissenschaftler Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier ein Virus als Auslöser der Infektion isolieren, das HIV (Human Immunodeficiency Virus). Für diese Leistung erhielten sie den Nobelpreis für Medizin.

Wahrscheinlich wurde das Virus von Schimpansen auf den Menschen übertragen.

Neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass es das Virus wahrscheinlich schon seit über hundert Jahren gibt. Die ältesten bekannten Proben mit Erregern stammen aus den Jahren 1959 und 1960. US-amerikanische Forscher hatten die Gene dieser beiden Erreger miteinander verglichen und festgestellt, dass sie sich deutlich voneinander unterschieden. Daraus schlossen sie, dass diese beiden Varianten sich schon Jahrzehnte zuvor aus einem gemeinsamen Vorläufer entwickelt haben mussten. Nach Berechnungen der Wissenschaftler müsste der ursprüngliche Virusstamm Anfang des 20. Jahrhunderts aufgetreten sein. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um die Variante eines Virus, das Schimpansen befallen hatte und das von ihnen auf den Menschen übertragen wurde. Als sich in Afrika die ersten größeren Städte des Kontinents entwickelten, war die wichtigste Voraussetzung für den Beginn der Epidemie gegeben.

HIV betrifft alle

Als Anfang der 1980er-Jahre die AIDS-Epidemie ihren Lauf nahm, wurde rasch klar, dass die Erkrankung hauptsächlich homosexuelle Männer, Drogenabhängige und Empfänger von Blut oder Blutprodukten betraf. 1985 gab es den ersten Test, mit dem sich in Blutproben Antikörper gegen das Virus nachweisen ließen. Zunächst nicht einordnen konnte man die Tatsache, dass es offensichtlich gesunde Menschen gab, die Antikörper im Blut hatten. Wissenschaftler befürchteten eine Infektionskrankheit mit jahrelanger Inkubationszeit und die Möglichkeit, dass es bereits Millionen infizierter Menschen gab, die nichts davon wussten. Erst allmählich kamen die genauen Zusammenhänge der Infektion ans Tageslicht. Dazu gehörte auch die Tatsache, dass sich ebenfalls heterosexuelle Menschen mit dem Virus anstecken können. Lange Zeit wurde AIDS als eine Erkrankung von Minderheiten angesehen, Heterosexuelle wiegten sich in Sicherheit. Doch dann wurde rasch klar, dass die Infektion jeden bedroht.

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Das Virus

Das HI-Virus ist kugelförmig.

Das HI-Virus gehört zur Gruppe der Retroviren. Seine Gestalt ist kugelförmig, der Durchmesser beträgt 100 nm. Es existieren zwei Typen des Virus, nämlich HIV-1, der weltweit häufigste Erreger, und HIV-2. HIV-1 lässt sich wiederum in drei Hauptgruppen unterteilen, von denen die Hauptgruppe M (von maior, lat. für größer) mit den Untergruppen A bis K das Gros ausmacht. Die Hauptgruppe O kommt nur sehr selten vor, die Gruppe N ist eine Rarität, die bisher nur in Einzelfällen beobachtet wurde. HIV-2 unterteilt sich in die Gruppen A bis F. Neben der Infektion mit einer Virusvariante sind auch Übertragungen beider Typen möglich. Außerdem können die Viren im menschlichen Körper mutieren, also sich genetisch verändern. Möglich ist ebenfalls, dass sich aus zwei Subtypen ein neues Virus entwickelt.

Kondome schützen gegen eine Ansteckung mit HIV.

Übertragen wird die Infektion von Mensch zu Mensch durch Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Muttermilch. An erster Stelle steht hierbei der ungeschützte Sexualverkehr mit einem infizierten Partner. Hierbei können über winzigste Verletzungen von Haut oder Schleimhaut Viren in den Körper des gesunden Partners gelangen und so zu einer Ansteckung führen. Daher ist es enorm wichtig, bei unklarem HIV-Status beim Sex Kondome zu benutzen. Eine weitere wichtige Infektionsquelle sind gemeinsam benutzte Spritzutensilien bei Drogenkonsumenten. Hier können Einwegspritzen und -nadeln vor einer Ansteckung schützten. Die Gabe von Blut und Blutprodukten gilt in Deutschland als sicher, da diese seit 1985 (HIV-1) und seit 1989 (HIV-2) regelmäßig getestet werden. Völlig risikofrei sind sie aber weiterhin nicht, wenngleich die Infektionswahrscheinlichkeit vermutlich unter 1:1.000.000 liegt. Schließlich ist es möglich, dass das Virus bei der Geburt von einer infizierten Mutter auf das Kind übertragen wird. Auch dieses Risiko lässt sich jedoch durch eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen minimieren. Eine gewisse Gefährdung besteht auch für im Gesundheitssystem tätige Menschen, wenn diese sich mit Nadeln oder scharfen Gegenständen verletzen oder offene Wunden haben und mit Blut/Körperflüssigkeiten von Infizierten in Kontakt kommen. Dies sind allerdings seltenere Übertragungswege.

Keine Gefahr besteht dagegen im alltäglichen Umgang mit HIV-Infizierten, auch wenn viele Menschen davor immer noch Angst haben. Werden Geschirr, Dusche Toilette oder andere Gegenstände des täglichen Lebens gemeinsam benutzt, ist dies keinesfalls gefährlich. Auch in Schwimmbädern kann man sich nicht anstecken. Selbst durch Küsse auf den geschlossenen Mund kann das Virus nicht weitergegeben werden. Nicht völlig klar ist die Situation bei Zungenküssen. Das Risiko einer Übertragung lässt sich nicht ausschließen, ist aber wahrscheinlich – falls möglich – sehr gering. Eine Infektion durch Speichel, Tränen oder Schweiß wurde bisher noch in keinem einzigen Fall nachgewiesen, ebenso wenig eine Übertragung des Virus durch blutsaugende Insekten.

Virus zerstört wichtige Immunzellen

HI-Virus (grün) an befallener Helferzelle.

Ist das Virus in den Körper gelangt, befällt es eine Reihe verschiedener Zellen. Eine zentrale Stellung nehmen hierbei die T-Helferzellen oder CD-4-Zellen ein. Diese sind eine spezielle Untergruppe von weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr eine wesentliche Rolle spielen. Ein spezielles Molekül auf der Oberfläche dieser Zellen dient dem HI-Virus als Eintrittspforte, über die es ins Innere gelangt. Dieses sogenannte CD-4 Molekül gibt es auch auf weiteren Zellen, beispielsweise den Makrophagen, die ebenfalls wichtig für die Infektabwehr sind. Das Virus benutzt in der Folge den genetischen Apparat der befallenen Zelle, um sich zu vermehren. Es produziert eine Unmenge weiterer Viren, die schließlich die Wirtszelle zerstören und so ins Blut gelangen, um dann weitere T-Helferzellen oder Makrophagen zu befallen. Mit der Zeit zerstört das HI-Virus auf diese Weise zahlreiche Zellen, die für die Immunabwehr nötig sind. Sinkt deren Zahl unter einen kritischen Wert, kommt es zu Störungen im Immunsystem, und der Körper ist anfällig für Infekte. HI-Viren zerstören aber nicht nur Immunzellen, sondern können auch Zellen des Gehirns befallen und dort beispielsweise zu einem Schwund von Hirngewebe führen.

Ohne Behandlung ist die Infektion tödlich

Bricht die Krankheit AIDS aus, kommt es zum Beispiel zu Herpes-Infektionen.

Unbehandelt verläuft die Infektion ziemlich charakteristisch. Zunächst kann es zwischen einer und sechs Wochen nach Übertragung des Virus zu grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Hals- und Gliederschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen kommen. Dies betrifft zwischen 40 und 90 Prozent der Infizierten und wird als akute HIV-Krankheit bezeichnet. Anschließend folgt eine Phase von mehreren Jahren, in der sich das Virus im Körper vermehrt und nach und nach Immunzellen zerstört. In dieser Periode haben die Patienten außer eventuellen Lymphknotenschwellungen keine Beschwerden, deswegen spricht man hier von einer asymptomatischen Infektion oder Latenzphase. Die Dauer dieser Phase ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, beträgt aber im Mittel um die zehn Jahre. Schreitet die Zerstörung der Immunzellen weiter fort, tritt die Erkrankung in ihr letztes Stadium ein und schreitet zum Vollbild AIDS fort, das durch bestimmte Infektionskrankheiten und bösartige Tumoren charakterisiert ist. Unbehandelt führt dies unweigerlich nach einer individuell unterschiedlichen Zeitspanne zum Tod.

Warum die Dauer zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, wird in den letzten Jahren zunehmend besser verstanden. So spielen beispielsweise genetische Faktoren eine Rolle, aber auch die Anzahl an Viren zu Beginn der Infektion: je höher die Viren-Anzahl, desto schneller schreitet die Erkrankung voran. Auch das Alter zum Zeitpunkt der Ansteckung ist wichtig: Je jünger der neu Infizierte ist, umso länger dauert es bis zum Ausbruch der Erkrankung.

Die HIV-Infektion wird anhand der CDC-Klassifikation (Centers of Disease Control) von 1993 in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Dieses System orientiert sich dabei an den Symptomen, die durch die Kategorien A bis C beschrieben werden, und an der Anzahl von T-Helferzellen im Blut. Unter Kategorie A fallen Patienten, die keine Symptome haben, an einer akuten HIV-Infektion leiden oder chronische Lymphknotenschwellungen aufweisen. Patienten in Kategorie B haben einen Immundefekt, der auf die Infektion zurückzuführen ist, aber keine Erkrankungen, die zum Vollbild AIDS gehören. In die Kategorie C fallen alle Infizierten mit dem Vollbild AIDS. Diese unterschiedlichen Stadien werden außerdem anhand der Zahl von T-Helferzellen im Blut mit Ziffern von 1 bis 3 versehen, wobei 1 für die höchste (mehr als 500 CD-4 Zellen pro Mikroliter Blut) und 3 für die niedrigste (weniger als 200 CD-4 Zellen pro Mikroliter Blut) Anzahl steht.

Einschub: Wie funktionieren Viren?

Das HI-Virus befällt bevorzugt T-Helferzellen des Immunsystems.

Viren sind die kleinsten Mikroorganismen. Im Gegensatz zu Bakterien können sie sich aber nicht selbst vermehren, sondern benötigen dazu den genetischen Apparat einer Wirtszelle. Viren sind also im Prinzip nur Erbinformation, die sich mithilfe einer fremden Zelle vermehrt. Hierzu dringt das Virus zunächst in die Wirtszelle ein und setzt in dieser seine Erbinformation, also Nukleinsäuren, frei. Anschließend benutzt das Virus den genetischen Apparat der Wirtszelle, um sich zu vermehren. Sind genügend Viren produziert, zerstören diese die Wirtszelle und werden so freigesetzt. Anschließend können sie neue Zellen befallen und sich weiter vermehren. Im Falle des HI-Virus sind die Wirtszellen bevorzugt T-Helferzellen des Immunsystems. Deshalb tritt eine Immunschwäche auf, wenn eine bestimmte Zahl dieser Zellen zerstört ist. Je nachdem, welche Art von Zellen ein Virus befällt, führt dies zu unterschiedlichen Krankheitssymptomen.

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Animationen: Kaiser Family Foundation

Bilder: Wikimedia Commons/UN AIDS Global Record 2008 (1), Kaiser Family Foundation (1), Shutterstock (5)

Glossar

Asymptomatisch
ohne Symptome, also ohne Krankheitserscheinungen

CD-4-Molekül
Ein Glykoprotein, das auf Immunzellen angebracht ist und beispielsweise bei der HIV-Infektion als Eintrittspforte, als sogenannter Co-Rezeptor, für den Erreger dient. Normalerweise reguliert es die Aktivierung der T-Zellen (siehe dort). Durch ein Zusammenspiel mit den HIV-Erregerproteinen wird die CD-4-Molekülproduktion gebremst.

CD-4-Zellen
Immunzellen, die auf ihrer Oberfläche einen bestimmten Eiweißstoff tragen, der als CD-4 bezeichnet wird. Sie werden auch T-Helferzellen genannt.

Epidemie
Erkrankung, die örtlich und zeitlich begrenzt gehäuft auftritt

Gene
Träger von Erbinformation, die an Nachkommen vererbt werden können

Inkubationszeit
Zeit von der Ansteckung mit einem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen

Latenzphase
Zeit bis zum Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen, ähnlich der Inkubationszeit. Der Begriff Latenzzeit kann allerdings auch für nicht infektiöse Erkrankungen verwendet werden, beispielsweise Vergiftungen.

Makrophagen
Große einkernige Zellen, zum Immunsystem gehörend. Sie befinden sich im Gewebe, im Gegensatz zu den im Blut zirkulierenden Monozyten (siehe dort), aus denen sie hervorgegangen sind.

Nukleinsäure
Träger der Erbinformation

Retrovirus
Virus, der einsträngige RNA in die Erbinformation der Wirtszelle überträgt, sowie auch noch spezielle Enzyme, die für die Bildung neuer DNA nötig sind.

T-Helferzellen
Spezielle Sorte weißer Blutkörperchen, die zu den Lymphozyten gehört und für die Infektabwehr wichtig ist (siehe auch CD-4-Zellen)

Wirt
Eine Wirtszelle ist ein Organismus, der einem anderen Organismus temporär oder für immer Lebensraum bietet.