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Venen – Krampfadern – Besenreiser – Thrombose – Blutgerinnsel – Varizen

Krampfadern sind die Folge einer „schlafenden“ Muskelpumpe

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen leidet in unterschiedlichem Ausmaß unter Veränderungen der oberflächlichen Venen. Bei vielen zeigt sich das nur an unschönen „Besenreisern“ – doch jede dritte Frau und jeder sechste Mann hat Krampfadern, die behandelt werden sollten.

Inhaltsverzeichnis

Krampfadern sind sackartige Erweiterungen der Venen, die zudem geschlängelt verlaufen, also viele Windungen aufweisen. Die Ursache für ihre Entstehung ist noch immer nicht ganz geklärt. „Wer aber familiär vorbelastet ist, hat grundsätzlich ein viel höheres Risiko, derartige Venenerweiterungen zu entwickeln. Begünstigt wird der Prozess außerdem durch zu geringes Training der Beinmuskeln, durch lange sitzende und stehende Tätigkeiten sowie durch das Alter“, so der Gefäßspezialist Prof. Dr. Hans-Henning Eckstein vom Münchner Klinikum rechts der Isar. Bei Frauen spielt auch die Einwirkung des Hormons Progesteron während einer Schwangerschaft eine große Rolle, weil es das Bindegewebe etwas „aufweicht“.

Je mehr der oben genannten Risikofaktoren zusammenspielen, desto größer ist das Risiko, Krampfadern zu bekommen.

Ein Krampfaderleiden verschlimmert sich allmählich. Es sollte behandelt werden, um gefährliche Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Venenentzündungen, tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien sowie ein Ulcus cruris (offenes Bein) zu verhindern.

Venen sind bestens vernetzt

Wie entstehen Krampfadern überhaupt? Um das zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, wie unser Venensystem aufgebaut ist. Das Herz pumpt das Blut durch die Arterien in alle Organe und Extremitäten, so auch in die Beine. Von dort wird das Blut in den Venen gegen die Schwerkraft zum Herzen zurücktransportiert. Das ist Schwerstarbeit für die Beinvenen, von denen es ein ganzes Netzwerk gibt: die tiefen Venen, die oberflächlichen Venen außen (große Stammvenen, als Vena saphena oder Rosenvenen bezeichnet) und dazwischen die Verbindungsvenen (perforierende oder Perforansvenen).

Jedes Bein hat zwei Stammvenen: Die lange Vena saphena magna, also die Große Stammvene, verläuft von der Innenseite des Knöchels bis zur Leiste, die kürzere Vena saphena parva vom Außenknöchel bis übers Knie. Im Bereich der Leiste mündet die oberflächliche Stammvene Vena saphena magna in die Oberschenkelvene Vena femoralis und damit ins tiefe Venensystem. An derselben Stelle treffen noch sehr viele weitere Venenäste, die beispielsweise die äußere Haut oder die Geschlechtsorgane versorgen, zusammen und bilden einen Gefäß-Knotenpunkt (Venenstern).

Von den oberflächlichen Beinvenen gibt es entlang des Beines immer wieder Zuflüsse zu den tiefen Venen. Hierbei werden unterschieden:

  • die COCKETT-Venen an der Innenseite des unteren Unterschenkels,
  • die BOYD-Vene an der Beininnenseite direkt unterhalb des Knies,
  • die HUNTER-Vene oberhalb des Knies
  •  und die DODD-Venen etwa in der Oberschenkelmitte an der Innenseite des Beines.

Diese Perforansvenen haben alle die Aufgabe, das Blut von außen in die tiefen Beinvenen und damit in den Herzzufluss zu leiten. Etwa 90 Prozent des Beinvenenblutes gelangt auf seinem Weg nach oben über die Perforansvenen in das tiefe Venensystem. Die restlichen 10 Prozent führt die oberflächliche Vena saphena magna bis hoch zur Leiste. Dort mündet sie am Venenstern (Crosse) direkt in die Tiefe, sodass auch die letzten zehn Prozent des Beinvenenblutes in das tiefe Venensystem gelangen.

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Die Muskelpumpe als Hauptakteur beim Bluttransport

Wie können die Venen überhaupt das Blut entgegen der Schwerkraft in Richtung Herz transportieren? Der Restdruck vom Herzen ist hier viel zu klein, um eine große Hilfe darzustellen. Stattdessen wird der Unterdruck im Brustraum, der während des Atmens entsteht, wirksam. Ebenso hilft die Arterienpumpe, denn die Schwingungen pulsierender Arterien, die dicht neben den Venen verlaufen, drücken die Venen etwas zusammen und damit das Blut weiter aus den Beinen heraus. Der Hauptakteur beim Pumpgeschehen ist jedoch die Muskelpumpe. Wenn sich unsere Beinmuskeln anspannen, drücken sie die dazwischen liegende Vene zusammen. Dadurch wird das Blut herzwärts gepresst. Der Druck in der nunmehr entleerten Vene fällt ab, dadurch wird automatisch neues Blut nachgesaugt. Deshalb ist Bewegung das A und O für die Venentätigkeit.

Schlappe Klappen führen zum Blutrückstau

Sowohl die oberflächlichen als auch die tiefen und die Perforansvenen sind mit Klappen versehen. Sie sollen den Rückstrom des Blutes nach unten verhindern beziehungsweise sicherstellen, dass das Blut nur von der Oberfläche in die Tiefe fließen kann und nicht umgekehrt. Wenn das Blut Richtung Herz fließt, öffnen sich die Venenklappen. In den Sogpausen – beziehungsweise wenn die umgebende Muskelpumpe gerade nicht betätigt wird – schließen sich die Venenklappen, um zu verhindern, dass das Blut in die Beine zurückfließt. Eine Voraussetzung für gut funktionierende Klappen ist eine ausreichende Spannung in den Venenwänden, die diese sozusagen immer zueinander presst. Bekommt die Vene nicht mehr genug Halt durch das sie umgebende Bindegewebe und die Muskulatur und wird gleichzeitig Gegendruck, zum Beispiel durch starkes Pressen beim Stuhlgang oder in der Schwangerschaft, ausgeübt, dann überdehnt sich die Vene.

Der Abstand zwischen den Venenklappen-Enden wächst, die segelförmigen Klappen können nicht mehr richtig schließen, und das Blut verliert seine eindeutige Strömungsrichtung zum Herzen. Es pendelt eine Zeit lang vor und zurück. Irgendwann überwiegt dann schließlich der Rückdrang. Von da an nimmt die Krankheit ihren Lauf: Immer mehr Venenklappen werden verschlussunfähig (Venenklappeninsuffizienz). Es entsteht ein krankhafter venöser Kreislauf mit umgekehrtem Blutfluss. Schließlich schlängelt sich die defekte Vene wie der Mäander eines natürlichen Flussbettes als Krampfader (Varize) am Bein entlang.

Venenerkrankungen können unangenehme Folgen haben

Die durch den Blutstau geschädigten undichten Venenwände lassen Flüssigkeit durch, die sich im umgebenden Gewebe ansammelt und die Beine „dick“ macht – es bilden sich Ödeme.

Hautverfärbungen sind ein Zeichen für kranke Venen.

Wer beispielsweise tagsüber eine stehende Tätigkeit ausübt, stellt häufig fest, dass die Knöchelregion abends oft angeschwollen ist. Im weiteren Verlauf der Venenfunktionsstörung verändert sich die Haut. Der Blutstau in den Venen drückt immer mehr auf die Kapillaren, dünne Gefäßverbindungen zwischen Arterien und Vene. Die Kapillaren werden dadurch geschädigt und lassen Blut und Eiweißstoffe ins Gewebe durchsickern. Bläulich-rote oder auch braune Hautverfärbungen sind die Folge. Weiterhin ist der Zellstoffwechsel im Gewebe gestört: Die Gewebszellen können nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

Der ständige Rückstau des Blutes hat aber noch weitere Folgen: Er schädigt auch die Verbindungsvenen zum tiefer gelegenen Venensystem sowie im fortgeschrittenen Stadium die tiefer gelegenen Venen selbst.

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Alles andere als harmlos – Venenerkrankungen können tödlich sein

Mögliche Folgeerkrankungen von Krampfadern sind Entzündungen der oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis), tiefe Beinvenenthrombosen (Phlebothrombose) sowie das „offene Bein“ (Ulcus cruris). Bei der Thrombophlebitis entzündet sich die Venenwand, etwa nach einer kleinen Verletzung an der Krampfader. Der betroffene Bereich ist gerötet und fühlt sich warm an.

„Eine Entzündung der oberflächlichen Venen ist sehr schmerzhaft, geht mitunter mit Fieber einher und zumeist mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Im Rahmen einer Venenentzündung kann es zur Gerinnselbildung kommen“, warnt Prof. Eckstein. Wie gefährlich so eine Venenentzündung und das Blutgerinnsel sind, hängt davon ab, wie stark sie ausgeprägt sind und an welcher Stelle sie auftreten. Tritt die Venenentzündung nur in einem kleinen Seitenast auf, ist sie vergleichsweise harmlos. Ist dagegen eine Stammvene entzündet, kann eine Venenentzündung gefährlich sein. „Wenn man Pech hat, gelangt das Blutgerinnsel in die tiefen Beinvenen und verursacht dort eine tiefe Beinvenenthrombose, im medizinischen Fachjargon Phlebothrombose genannt“, so der Münchner Gefäßchirurg und Venenexperte Hans-Henning Eckstein.

Von einer Phlebothrombose spricht man, wenn eine tiefe Vene vollständig oder teilweise durch ein Blutgerinnsel verschlossen ist. „Die eigentliche Ursache vieler tiefen Beinvenenthrombosen ist eigentlich nicht bekannt. Aber es gibt einige Faktoren, die dafür prädestinieren“, so Hans-Henning Eckstein.

Rauchen erhöht das Thromboserisiko

Besondere Risikofaktoren hierfür sind Bettlägrigkeit, langes Sitzen, zum Beispiel im Flugzeug, oder langes Stehen sowie Operationen. Auch die Einnahme der Pille und Rauchen können die Neigung zur Thrombosebildung erhöhen. Ein erhöhtes Risiko für eine Phlebothrombose haben aber auch all jene Menschen, die an einer Venenerkrankung leiden oder früher daran litten. Veränderungen an der Gefäßwand begünstigen in Verbindung mit einem langsameren Blutfluss – wie er in Krampfadern vorliegt – sowie bei erhöhter Bereitschaft des Blutes zur Gerinnung die Bildung von Blutgerinnseln. Diese Blutgerinnsel neigen dazu, sich zu vergrößern. Wird ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene mit dem Blutstrom weggeschwemmt, kann es über die rechte Herzkammer in die Lunge gelangen und dort ein großes Lungengefäß verstopfen. Es kommt zur Lungenembolie, die tödlich verlaufen kann. Jedes Jahr sterben zwischen 20.000 und 30.000 Menschen an einer Lungenembolie.

Unbehandelte Thrombosen schädigen das Venensystem.

Eine andere Komplikation der Phlebothrombose ist bei jedem fünften Betroffenen das postthrombotische Syndrom. Wird der Blutpfropf nicht aufgelöst und ist damit die Hauptverkehrsstraße des Blutes blockiert, dann sucht das Blut den Abfluss über das oberflächliche Venensystem. Dabei belastet es dieses aber viel zu stark. Dadurch wird das oberflächliche Venensystem einschließlich der Klappen nachhaltig geschädigt. So entsteht ein Krampfaderleiden mit einer zunehmenden chronisch venösen Insuffizienz (CVI).

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Bilder: Shutterstock (2), Trias Verlag (nach Vorlage) (3), Wikimedia/GNU Free Documentation License (1), Prof. Eckstein (2)

Animationen: teleDesign, München (2), Shutterstock (1)

Glossar

Arterie
Ein Blutgefäß, das das Blut vom Herzen wegführt. Arterien transportieren in der Regel sauerstoffreiches Blut. Nur die Arterien des Lungenkreislaufs enthalten sauerstoffarmes Blut. In den Arterien des Menschen sind nur etwa 20 % des gesamten Blutvolumens enthalten. Die größte Arterie ist die Hauptschlagader (Aorta).

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
Von einer chronisch venösen Insuffizienz spricht man, wenn die Venen die Fähigkeit verlieren, das Blut zum Herzen zurückzuleiten, und sich dadurch ein hoher Druck in den Venen aufbaut. Der Stoffwechsel im umgebenden Gewebe wird dadurch empfindlich gestört. Die CVI ist die Folge eines lange bestehenden Blutrückstaus.

Ödem
Flüssigkeitsansammlung im Gewebe