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Herzinfarkt – Ursachen – Risikofaktoren – Arteriosklerose – Herzkranzgefäße

HERZINFARKT – kein Blitz aus heiterem Himmel

„Allein in Deutschland erleiden etwa 300.000 Menschen pro Jahr einen Herzinfarkt“ sagt Prof. Dr. Melchior Seyfarth vom Deutschen Herzzentrum in München. Rund die Hälfte stirbt an den Folgen. Dabei kann jeder mit einer herzgesunden Lebensweise sein persönliches Herzinfarkt-Risiko erheblich senken.

Inhaltsverzeichnis

Trotz der alarmierenden Zahlen tun die meisten von uns viel zu wenig für Herz und Kreislauf. „Bei den Risikofaktoren ist an erster Stelle das Rauchen zu nennen“, warnt Prof. Dr. Melchior Seyfahrt. Auch hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes mellitus sind weitere wichtige Risikofaktoren.

Das Herz und seine Kranzgefäße

Das Herz: ein echter Power-Muskel

Lange vor der Geburt, schon beim vier Wochen alten Embryo, beginnt das Herz zu schlagen. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet es unaufhörlich bis ans Lebensende. Bei einem Erwachsenen ist das Organ etwa faustgroß. Seine Leistung ist beeindruckend: Ein Leben lang  pumpt es nähr- und sauerstoffreiches Blut durch alle Teile des Körpers – an einem Tag bis zu 10.000 Liter. Bei einem 70-jährigen Menschen hat die Hochleistungs-Pumpe rund zweieinhalb Milliarden Mal geschlagen.

Engpass in der Blutbahn – wie der Herzinfarkt entsteht

Es ist tückisch: Die Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arterio- oder Atherosklerose) schreitet oft über Jahrzehnte hinweg unbemerkt fort. Vor dem eigentlichen Herzinfarkt gibt es aber manchmal Vorboten: So können Brustschmerzen (Angina pectoris) oder ungewöhnliche Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung auftreten. Spürt man diese Symptome, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen.

„Verkalkte“ Ader

So kommt es zum Infarkt: In den Herzkranzgefäßen bilden sich aufgrund von Rauchen, hohem Blutdruck, schlechten Cholesterinwerten oder Diabetes Ablagerungen, sogenannte Plaques. Die Gefäßinnenwand verdickt sich, deshalb kann das Blut schlechter fließen. Man spricht in diesem Stadium auch von einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Meist reißt irgendwann ein kleines Stück der Ablagerungen an den Wänden der Herzkranzgefäße auf (Plaqueruptur). An dieser Stelle bleiben vermehrt Blutplättchen und andere Bestandteile des Blutes hängen. Es bildet sich ein Pfropfen (Thrombus), der die Ader letztlich vollständig verstopft. Ist ein Herzkranzgefäß betroffen, wird der Blutfluss dort ganz unterbrochen. Folge: Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, er beginnt abzusterben.

Die Schwere des Infarktes hängt davon ab, wie viel Gewebe vom Sauerstoffmangel betroffen ist. Wenn zu viel Herzmuskelgewebe an einer ungünstigen Stelle abstirbt, kann das Herz auch die anderen Organe nicht mehr mit Blut versorgen. Der gesamte Körper ist jetzt in seiner Blutversorgung gefährdet – es besteht akute Lebensgefahr.

Besonders in der Phase unmittelbar nach dem Infarkt kommt es auf sofortige medizinische Versorgung an. Bei den Notärzten gilt das Sprichwort „Time is muscle“ (engl. Zeit ist Muskel).

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Die vier Hauptfeinde des Herzens

Professor Dr. Melchior Seyfarth vom Deutschen Herzzentrum in München nennt die vier wichtigsten Faktoren, die das Herzinfarktrisiko erhöhen:

    Rauchen Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das Rauchen. Der Grund: Nikotin setzt den Sauerstoffgehalt im Blut herab. Für den Sauerstofftransport in den Gefäßen sind die roten Blutplättchen (Erythrozyten) verantwortlich. Sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes, will der Körper den Mangel ausgleichen. Er produziert vermehrt Erythrozyten. Dadurch wird das Blut dickflüssiger. Die Gefahr, dass die Adern „verstopfen“, steigt.
    Darüber hinaus erhöht Nikotin den Blutdruck und indirekt auch den Cholesterinspiegel.

    Bluthochdruck Der Bluthochdruck trägt ebenfalls entscheidend zum Herzinfarktrisiko bei. Normalerweise sind die Blutgefäße mit einer spiegelglatten Innenschicht ausgestattet, damit das Blut ungehindert durch die „Gefäßrohre“ fließt. Steigt nun auf Dauer der Druck in den Adern, wird diese Innenschicht beschädigt. An Verzweigungen und Engstellen der schadhaften Adern lagern sich Blutfette und körpereigenes Reparaturmaterial besonders leicht ab – der Beginn der Arteriosklerose, im Volksmund auch Arterien-„Verkalkung“ genannt.

    Cholesterin Hauptbestandteil der arteriosklerotischen Ablagerungen sind Blutfette, vor allem Cholesterin. Dabei gilt besonders ein hoher LDL-Cholesterin-Spiegel im Blut als schädlich, weil sich das LDL vermehrt an der Innenschicht der Gefäßwand anlagert.
    Das HDL-Cholesterin wird dagegen als das "gute" Cholesterin bezeichnet, weil höhere HDL-Werte der Gefäßwand nicht schaden.

    Diabetes mellitus Ein weiterer Risikofaktor ist der Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“). Hohe Blutzuckerspiegel verstärken die Anlagerung der Blutfette an den Aderwänden. Diabetes mellitus wirkt sich deshalb schädigend auf die Gefäßwände aus und trägt somit ebenfalls entscheidend zur Entstehung der Arteriosklerose bei.

Neben diesen vier Hauptrisikofaktoren gibt es noch andere Ursachen für den Herzinfarkt:
Menschen mit Adipositas („Fettsucht“) sind beispielsweise gefährdet. Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) geht auch mit einem erhöhten Risiko einher, besonders wenn das Körperfett hauptsächlich um den Bauch herum angelagert ist. Ein weiterer Faktor ist die familiäre Vorbelastung: Hatte ein naher Verwandter – Vater, Mutter, Geschwister – früh einen Herzinfarkt, so ist das eigene Risiko erhöht; „früh“ heißt hier bei Männern vor dem 60. und bei Frauen vor dem 65. Lebensjahr.

Weil man meistens im Vorfeld selbst viel gegen den Infarkt tun kann, ist es wichtig, an einem gesunden Lebensstil zu arbeiten.

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Fotos: Circles and Lines GmbH, Computeranimation und visuelle Effekte (2); shutterstock (1); teleDesign, München (1)

Animationen: Circles and Lines GmbH, Computeranimation und visuelle Effekte (1); teleDesign, München (1)

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GLOSSAR

Adipositas (Fettleibigkeit)
Übermäßiger Anteil von Fettgewebe im Körper (Body-Mass-Index über 30) 

Angina pectoris
Lat. für „Brustenge“;  anfallsartige Schmerzen oder beängstigendes, bedrückendes Engegefühl in der Brust, Vorstufe für den Herzinfarkt

Arterie
Blutgefäß, das meist sauerstoffreiches Blut vom Herzen wegführt

Arteriosklerose (Atherosklerose)
Umgangssprachlich „Arterienverkalkung“; Schädigung der Arterien durch Ablagerungen von Blutfetten, Blutpfropfen, Bindegewebe und Kalk in den Gefäßwänden

Blutdruck
Über eine aufgeblasene Armmanschette misst man den höchsten Druck (systolisch) und den geringsten Druck (diastolisch) der Arterie, je nach Phase des Herzschlags. Optimal ist ein Wert von „120 zu 80“ (120/80 mmHg).

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
Chronische Erhöhung des Drucks in den Blutgefäßen über 140 zu 90 (140/90 mmHg)

Blutzuckerspiegel (Blutglukosespiegel)
Zuckerkonzentration im Blut; Normwert nüchtern: 65–100 mg/dl

Body-Mass-Index (BMI)
Körper-Masse-Index; Verhältnis Körpergewicht zu Körpergröße, um Abweichungen vom gesunden Normwert (18,5 bis 25) festzustellen. Berechnung: BMI = Körpergewicht (in Kilogramm):(Körpergröße (in m))2. Beispiel für ein Gewicht von 65 kg und eine Körpergröße von 1,70 m:
65 : 1,702  = 65 : 2,89 = 22,49.

Cholesterinspiegel
Konzentration von Cholesterin im Blut; Normwert Gesamtcholesterin beim Menschen ohne Risikofaktoren: 200 mg/dl

Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
Chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Blut einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufweist. Typ-1-Diabetes beginnt meist schon im Kindes- und Jugendalter, Typ-2-Diabetes  betrifft dagegen meist ältere, oft übergewichtige Menschen.

Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
Sie transportieren den eingeatmeten Sauerstoff von der Lunge in die verschiedenen Teile des Körpers.

Herzkranzgefäße, arterielle (Koronararterien)
Arterien, die auf der Oberfläche des Herzens angeordnet sind und den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen

Koronare Herzkrankheit (KHK)
Erkrankung der Herzkranzgefäße, die vor allem durch Arteriosklerose verursacht wird; Ablagerungen führen zu Gefäßverengungen und damit zu einer verminderten Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur. Im späteren Stadium der KHK tritt Angina pectoris auf. Je länger die KHK anhält, desto größer wird das Risiko für  einen Herzinfarkt

Myokard
Herzmuskel, der den größten Teil der Herzwand bildet

Nikotin
Nervengift aus der Tabakpflanze mit Suchtpotenzial; in Zigaretten enthalten

Plaque
Wandanlagerung an der Innenschicht der Arterien bei der Arteriosklerose