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Herzinfarkt – Symptome – Diagnose – Brustschmerz – Eva-Infarkt – Herzkatheter

Infarkt-Zeichen: bisweilen gut getarnt

Ein Mann greift sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust und stützt sich am Treppengeländer ab. Er klagt über Atemnot. Der kalte Schweiß steht ihm auf der Stirn. So oder ähnlich stellen sich viele einen Herzinfarkt vor. Das Problem dabei: Ein Herzinfarkt kann sich auf sehr unterschiedliche Weise äußern.

Inhaltsverzeichnis

„Die klassischen Symptome zeigen sich nur in der Hälfte aller Fälle“, erklärt Prof. Dr. Seyfarth vom Deutschen Herzzentrum in München. Manchmal spürt der Patient sogar gar nichts. Die  Diagnose ist daher oft schwierig. Dabei ist die richtige und schnelle  Deutung der Anzeichen extrem wichtig – denn sie kann Leben retten. DOCMED.tv hilft Ihnen, die Symptome zu erkennen, und erklärt die wichtigsten Untersuchungsverfahren.

Klassische Symptome eines Herzinfarkts

Tritt der typische Herzinfarkt-Schmerz auf, empfinden ihn die Betroffenen als schneidend, brennend oder drückend. Zwar  strahlt der Schmerz oft in den linken Arm aus. Er kann aber auch in den Oberbauch, den Hals, den Unterkiefer oder Rücken ziehen. In seltenen Fällen schmerzt – ganz untypisch – sogar der rechte Arm. Übrigens: Die Stelle, wo der Schmerz sitzt, kann dem Arzt manchmal schon Aufschluss darüber geben, welche Herzkranzgefäße vom Infarkt betroffen sind. Strahlt Schmerz zum Beispiel in den Bauch aus, kann ein Hinterwandinfarkt vorliegen, bei dem meist die rechte Koronararterie betroffen ist.
Ein Druck- und Engegefühl auf der Brust führt bei vielen Betroffenen zu Angstzuständen. Sie spüren „einen tonnenschweren Stein, der auf ihrem Brustkorb lastet“. Ein Herzinfarkt geht in vielen Fällen auch mit Übelkeit und Erbrechen einher. Fehlen andere eindeutige Symptome, werden Infarktpatienten manchmal irrtümlicherweise auf Magen-Darm-Erkrankungen behandelt.
Weil die Blutgefäße der Betroffenen verengt sind, sehen sie bei einem Infarkt oft sehr blass und kaltschweißig aus. Infolge eines Kreislaufzusammenbruchs kann es während eines Herzinfarktes auch zur Ohnmacht kommen.

Reine Männersache? Von wegen!

Lange Zeit galt der Herzinfarkt als typische Erkrankung des Mannes. Jedoch: Frauen sind nur „bis zur Menopause, also bis zum Alter von 40 bis 50 Jahren, durch ihre hormonelle Situation geschützt“, sagt Prof. Dr. Seyfarth. Ab circa 70 Jahren erleiden schon gleich viele Frauen und Männer einen Herzinfarkt. Die Symptomatik unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern aber teilweise erheblich.

Nackenschmerzen – bei Frauen ein mögliches Indiz für Herzinfarkt


Oft verkannt: der „Eva-Infarkt“

Lediglich jede dritte Frau klagt bei einem Herzinfarkt über die klassischen Symptome. Daher sollten Frauen mit Herzinfarkt-Risiko besonders ernst genommen werden, wenn die folgenden Symptome oder Vorzeichen auftreten:

  • Vorzeichen: Viele Frauen spüren in den Tagen vor dem Infarkt ein außergewöhnliches Unwohlsein, dazu sind sie müde und haben gleichzeitig ungewohnte Schlafstörungen. Liegen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung – wie hoher Blutdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel – vor, sollte zur Abklärung ein Arzt aufgesucht werden.
  • Symptome: Der Herzinfarkt selbst, bei Frauen auch „Eva-Infarkt“ genannt, äußert sich vielfach nur schwach: Er macht sich „bei Frauen zu 22 Prozent nur durch Übelkeit bemerkbar, berichtet Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek von der Charité in Berlin. Auch Schwächegefühl und Erbrechen können auf den weiblichen Infarkt hindeuten, besonders wenn noch außergewöhnliche Nacken-, Gesichts- und Rückenschmerzen hinzukommen.

Weil der „Eva-Infarkt“ oft so untypisch abläuft, wird er häufig nicht richtig diagnostiziert und behandelt. Das ist ein Grund dafür, warum mehr als die Hälfte der Frauen an einem Herzinfarkt stirbt, während Männer bessere Überlebenschancen haben. Weil der Infarkt in der Öffentlichkeit lange als „typisch männliche Erkrankung“ galt, konsultieren Männer bei auftretenden Symptomen früher einen Arzt und verhindern so das Schlimmste.

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„Stummer“ Infarkt

Die Symptome bei einem Infarkt bleiben in rund 15 Prozent der Fälle aus. Man spricht dann vom „stillen“ oder „stummen“ Infarkt, weil der Betroffene gar nichts spürt. So kann es sein, dass ein erlittener Herzinfarkt erst Jahre später bei einer Routineuntersuchung auf dem EKG sichtbar wird.

Das Problem beim stummen Infarkt liegt auf der Hand: Er wird nicht mit den nötigen Medikamenten behandelt, und der Betroffene sieht keinen Anlass, seine Lebensführung zu ändern, obwohl dringend Handlungsbedarf bestünde. Dadurch steigt die Gefahr für einen zweiten, oft schwereren Infarkt, bei dem noch mehr Herzmuskelgewebe zerstört wird. Die Folge: Die Herzpumpe wird schwächer (Herzinsuffizienz) oder gerät aus dem Takt (Herzrhythmusstörungen), bis das Herz schließlich völlig versagt.
Diabetiker sind besonders gefährdet, einen stummen Infarkt zu erleiden. Bei ihnen sind die Nervenendigungen – auch am Herzen – durch den erhöhten Blutzuckerspiegel geschädigt. Die schmerzhaften Anzeichen eines Herzinfarktes spürt ein Diabetiker dadurch oftmals nicht.
Kommen bei Diabetikern weitere Risikofaktoren dazu, sollten sie das Herz regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen.

Herzströme: das EKG macht sie sichtbar

Eines der wichtigsten Untersuchungsverfahren ist das Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm). Beim akuten Herzinfarkt wird bereits im Rettungswagen mit dieser Aufzeichnung der Herzströme begonnen.

Das pausenlose Pumpen des Herzmuskels wird durch elektrische Impulse gesteuert, die von den Herzzellen selbst erzeugt werden. Diese Signale breiten sich über den gesamten Herzmuskel aus und sind in minimaler Form auch noch auf der Hautoberfläche messbar. Daher legt der untersuchende Arzt dem Patienten am Brustkorb, an Armen und Beinen mehrere Elektroden an, über die die Herzströme gemessen werden. Anhand dieser schmerz- und risikolosen Messung zeichnet das EKG-Gerät die typischen Kurven der elektrischen Herzaktivität auf.
Beim Infarkt sieht der Arzt in den meisten Fällen Abweichungen in den Kurven. Aus den Abweichungen kann er meist auch schließen, an welcher Stelle der Herzkranzgefäße sich der Infarkt ereignet hat.

Herzenzyme: Spuren im Blut

Wenn Herzmuskelzellen, wie im Falle eines Infarktes, absterben, geben sie bei ihrem Zerfall bestimmte Eiweißstoffe (Enzyme) ins Blut ab.
Diese  kardialen Biomarker sind also bei einer Blutabnahme erhöht. Einer der zuverlässigsten Marker vor allem in den ersten Stunden des Infarkts  ist das Troponin. Es steigt schon ab drei Stunden nach Infarktbeginn an.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt nimmt der Arzt Blut ab. Die Probe wird auf die Biomarker hin untersucht. Erhöhte Konzentrationen der kardialen Marker in Verbindung mit anderen Symptomen legen die Diagnose Herzinfarkt nahe.
Auch an den Folgetagen wird der Arzt die Enzyme kontrollieren, um den Verlauf beurteilen zu können.

EKG und Enzyme negativ: akuter Infarkt nicht ausgeschlossen

Manchmal kann es sein, dass eine Herzinfarkt-Symptomatik vorliegt, obwohl das EKG und  die Blutprobe jedoch negativ sind. Der Arzt muss dann mit Verdacht auf Herzinfarkt behandeln. Außerdem muss er in Abständen weitere Blutproben entnehmen. Nach sechs Stunden ist der Herzinfarkt so sicher diagnostizierbar.

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Herzkatheter: Diagnose und Therapie

Herzkranzgefäße – sichtbar bei der Katheteruntersuchung

Wenn ein Infarkt sehr wahrscheinlich ist, liefert der Herzkatheter eine sichere Diagnose. Über eine Einstichstelle in der Ellenbogen- oder Leistengegend wird ein dünner Plastikschlauch durch die großen Blutgefäße meist bis in die Herzkranzgefäße eingeführt. Durch den Katheter wird nun ein Kontrastmittel in die Gefäße gespritzt. Alle markierten Blutgefäße können so an einem Röntgenbildschirm sichtbar gemacht werden. Ist, wie beim Infarkt, ein Herzkranzgefäß jedoch verengt oder verstopft, so ist es ab dem Bereich hinter der verengten Stelle nicht mehr sichtbar. Daran erkennt der Arzt, dass hier ein Verschluss oder eine Gefäßverengung vorliegen muss.

Der Vorteil des Herzkatheters liegt nicht nur darin, dass er sehr genaue Untersuchungsergebnisse liefert: Man kann über ihn auch gleich den Engpass beseitigen – zum Beispiel, indem durch den Schlauch ein Stent eingebracht wird.

Wie gefährlich ist die Herzkatheter-Untersuchung?

Viele Patienten haben Angst vor Katheteruntersuchungen. Daher ist es wichtig, dass sie sich das Vorgehen vom Arzt genau erklären lassen. Richtig ist, dass diese Methode einen Eingriff in den Körper darstellt und deshalb grundsätzlich mehr Risiken birgt als ein EKG und Herzecho. Zum Beispiel kann der Katheter Herzrhythmusstörungen auslösen oder die Gefäßwand durchstoßen. Außerdem können Kontrastmittelallergien zu Komplikationen führen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass derartige Komplikationen auftreten, ist äußert gering, und sie sind im Regelfall gut beherrschbar. Außerdem wird der Arzt sorgfältig Risiko und Nutzen für den einzelnen Patienten abwägen. Sollte es zu Problemen kommen, kann über den Katheter gleich gezielt eine Therapie durchgeführt werden. Hat der Patient sich für die Untersuchung entschieden und dennoch große Angst davor, kann der Arzt vor dem Eingriff auf Wunsch beruhigende Medikamente geben.
Es gibt noch weitere, allerdings seltener angewendete Diagnosemöglichkeiten beim Herzinfarkt.

Ein Herz im Echokardiogramm

Das Herz im Bild

Manchmal wird ein Patient mit Symptomen eingeliefert, die auf einen Herzinfarkt hinweisen – und dennoch zeigen EKG-Aufzeichnungen und die anderen o.g. Untersuchungen keine Auffälligkeiten. In diesem Fall gibt die Echokardiografie (Ultraschall am Herzen) oder die Myokard-Szintigrafie mehr Aufschluss.

  • Bei der Echokardiografie kann man dem Herzen quasi „live“ beim Arbeiten zusehen. Der Arzt kann hier zum Beispiel beurteilen, ob Schäden an den Herzwänden oder Herzklappen durch einen Infarkt vorliegen. Schaltet er ein spezielles Gerät hinzu, den sogenannten Doppler, wird der Blutstrom am Herzen sichtbar. Durchblutungsstörungen aufgrund von Arteriosklerose oder Herzinfarkt sind dadurch gut erkennbar.

  • Die Myokard-Szintigrafie ist vor allem indiziert, wenn die anderen Verfahren keinen eindeutigen Befund geliefert haben. In Ruhe und bei Belastung können bei dieser Methode Infarktnarben durch radioaktives Kontrastmittel dargestellt werden.

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Fotos: Fotolia (2); iStock (2); shutterstock (1); Wikimedia (cath lab at hospital charite mitte, berlin, germany) (1); Wikimedia (public domain) (1)

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GLOSSAR

Biomarker
Messbare Produkte von Körpervorgängen, anhand derer man krankhafte Veränderungen wie zum Beispiel den Herzinfarkt erkennen kann

Cholesterin
Gruppe innerhalb der Blutfette. Cholesterine werden sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch im Körper gebildet. LDL-Cholesterin ist das sogenannte „schlechte Cholesterin“, weil es sich bei erhöhtem Cholesteringehalt im Blut an den Innenschichten der Gefäße ablagert. HDL-Cholesterin schützt die Gefäße vor Fettablagerungen und ist daher das „gute Cholesterin“.

Cholesterinspiegel
Konzentration von Cholesterin im Blut; Normwert für Gesamtcholesterin beim Menschen ohne Risikofaktoren: 200 mg/dl

Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
Chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Blut einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufweist. Typ-1-Diabetes beginnt meist schon im Kinder- und Jugendalter, Typ-2-Diabetes  betrifft dagegen meist ältere, oft übergewichtige Menschen.

Doppler
Gerät, das im Herzecho den Blutfluss am Herzen sichtbar macht; so lassen sich Durchblutungsstörungen erkennen.

EKG (Elektrokardiogramm)
Gerät, das mittels Elektroden an Brustkorb, Armen und Beinen die elektrische Aktivität der Herzmuskulatur in Form von Kurven aufzeichnet. So werden z.B. Herzrhythmusstörungen erkennbar. Bei einem Ruhe-EKG liegt der Patient, bei einem Belastungs-EKG fährt der Patient auf einem Standfahrrad.

Enzym
Für den Stoffwechsel essenzielles Protein (Eiweiß), das im Körper biochemische Reaktionen beschleunigt

Herzecho (Echokardiogramm)
Bildgebende Untersuchung des Herzens mithilfe von Ultraschall

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
Akute und lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens, bei der wegen einer Durchblutungsstörung Teile des Herzmuskels absterben

Herzinsuffizienz
Funktionsstörung des Herzens, bei der das Blut nicht mehr in ausreichenden Mengen in den Körper gepumpt wird. Als Folge ist die Durchblutung der Organe gefährdet, was zu einem Kreislaufversagen führen kann.

Herzkranzgefäße (Koronararterien)
Arterien, die auf der Oberfläche des Herzens angeordnet sind und den Herzmuskel (Myokard) mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen

Herzrhythmusstörungen
Bei langsamen (bradykarden) Herzrhythmusstörungen fällt die Herzfrequenz längerfristig unter 60 Schläge pro Minute, bei schnellen (tachykarden) Herzrhythmusstörungen schlägt das Herz öfter als 100 Mal pro Minute. Ist der Rhythmus zudem unregelmäßig, spricht man von Arrhythmie. Herzrhythmusstörungen kommen häufig und auch bei Gesunden vor. Krankhafte Ursachen sind Schädigungen des natürlichen Schrittmachers des Herzens (Sinusknoten) oder des Reizleitungssystems, am häufigsten eine koronare Herzkrankheit, Herzmuskelerkrankung und Herzklappenerkrankung.

Kontrastmittel
Stoffe, die die Darstellung von Strukturen und Funktionen des Körpers in bildgebenden Verfahren wie zum Beispiel dem Röntgen verbessern

Stent
Implantat, das in Organe wie z.B. Blutgefäße eingebracht wird, um ihre Wand abzustützen und sie dauerhaft offen zu halten; der Stent der Koronararterien besteht aus einem kleinen Gittergerüst in Röhrchenform aus Metall oder Kunststoff.

Szintigrafie
Bildgebendes Verfahren, bei dem radioaktiv markierte Stoffe in den Körper eingebracht werden, die sich dann im Zielorgan anreichern. Eine spezielle Kamera macht die Strukturen des Organs sichtbar.

Troponin
Biomarker, der schon ab drei Stunden nach einem Herzinfarkt vermehrt im Blut nachweisbar ist.