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Lebererkrankung – Therapie – Selektive Interne Radiotherapie – Radiofrequenzablation – TACE – TIPS – Lebertransplantation

Chronische Lebererkrankungen – Therapie: maßgeschneidert und möglichst früh

Frühzeitig behandeln und eventuelle Ursachen wie etwa Alkohol meiden, kann die weitere Leberzerstörung und Entstehung einer Leberzirrhose verhindern oder zumindest hinausschieben. Hat sich jedoch bereits eine Leberzirrhose gebildet, ist sie bislang nicht wieder rückgängig zu machen.

 

Inhaltsverzeichnis

Fettleber – Rückbildung bei Verzicht

Die Fetteinlagerung in den Leberzellen kann durch Alkoholverzicht, fettreduzierte Diät und Bewegung vollständig rückgängig gemacht werden.

Es gibt keine spezifische medikamentöse Therapie für eine Fettleber. Wichtig ist, die Ursachen zu beseitigen. Im Einzelfall kann das bedeuten: kein Alkohol, gute Einstellung der Blutzuckerwerte bei einer Diabetes-Erkrankung, Behandlung einer etwaigen Fettstoffwechselstörung sowie Abbau von Übergewicht durch eine fettreduzierte Diät und viel Bewegung. Wer 10 % seines Gewichtes abnimmt, kann eine Fettleber völlig zurückbilden, solange noch keine entzündlichen Veränderungen vorliegen. In den letzten Jahren gab es vermehrt Hinweise durch Ergebnisse in Tierversuchen und klinischen Beobachtungen auf eine Leberschutzwirkung von „Wu-Wie-Zi“, einer Heilpflanze der Traditionellen Chinesischen Medizin. Mittlerweile ist sie in deutschen Apotheken erhältlich. Ihre Beeren enthalten Lignane, die angeblich sogar noch Entzündungen einer fortgeschrittenen Fettleber-Hepatitis eindämmen können.

 

Autoimmunhepatitis – das Immunsystem unter Kontrolle bringen

Sofort nach der Diagnosestellung sollte eine Therapie mit einem Kortikosteroid in Kombination mit einem Immunsuppressivum beginnen, um die Entwicklung einer Leberzirrhose zu verhindern. Das Immunsuppressivum hat einen kortisoneinsparenden Effekt. Deshalb lässt sich die Kortison-Dosis schrittweise reduzieren. Die immunsuppressive Therapie sollte auch nach Absetzen des Kortisons fortgeführt werden. Ansonsten kommt es bei rund 4 von 5 Patienten zu einer akuten Verschlimmerung und einer Reaktivierung der Autoimmunhepatitis. Als letzte Behandlungsmöglichkeit ist die Lebertransplantation zu sehen.

 

Primär biliäre Zirrhose (PBC) – Gallensäure bringt Besserung

Bei regelmäßiger Einnahme von Ursodeoxycholsäure (UDCA), einer natürlichen Gallensäure, verbessert sich die Leberfunktion. Bei einem Drittel der Betroffenen kommt es langfristig sogar zu einer Abnahme der entzündlichen Veränderungen. Bei vielen Patienten verschwinden der Juckreiz sowie Oberbauch- und Gelenkbeschwerden. Eine vollständige Ausheilung ist bislang aber nicht möglich. Das Präparat ist lebenslänglich einzunehmen, hat jedoch bis auf leichten vorübergehenden Durchfall bei 2–3 % der Patienten keine bekannten Nebenwirkungen. Die Ursodeoxycholsäure wird mit Kortisonpräparaten kombiniert. Ist eine Besserung der Leberfunktion nicht mehr zu erwarten, wird eine Lebertransplantation durchgeführt.

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Sind die Gallengänge (grün) verengt, können sie durch eine Ballondilatation wieder geweitet werden.

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) – Gallensäure gegen Juckreiz

Wie die primär biliäre Cholangitis (PBC) wird auch die PSC lebenslänglich mit der Gallensäure Ursodeoxycholsäure behandelt. Der begleitende Juckreiz lässt häufig nach, die Leberfunktion verbessert sich. Verengte Gallengänge außerhalb der Leber können mittels endoskopischer Ballondilatation behandelt werden. Bei fortschreitender Erkrankung bleibt als letzte Option eine Lebertransplantation.

 

Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) – regelmäßiger Aderlass sichert das Überleben

Ein wöchentlicher Aderlass (ca. 500 ml Blut) ist die wirksamste Therapie zur Entleerung der Körpereisenspeicher. Richtschnur für die Aderlasstherapie ist der Ferritin-Wert, der zwischen 20 und 50 µg/l liegen sollte. Alternativ zur Aderlasstherapie kann ein Teil der eisenhaltigen roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mittels maschineller Erythrozyten-Apherese entnommen werden. In besonderen Fällen kann man die Hämochromatose auch medikamentös behandeln. Dabei wird der Eisenchelatbildner Deferasirox eingesetzt. Dieser bindet Eisen im Blutserum und im Gewebe und wird dann über Urin und Galle ausgeschieden. Im Endstadium hilft nur die Lebertransplantation.

 

Morbus Wilson – mit Medikamenten überschüssiges Kupfer entsorgen

Diese Erkrankung, bei der die Leber nach und nach zur Kupferhalde wird, kann medikamentös behandelt werden. Es handelt sich um Wirkstoffe, die entweder die Kupferausscheidung im Urin erhöhen (z.B. D-Penicillamin) oder die Kupferaufnahme im Darm hemmen (Zinksulfat). Sollte eine medikamentöse Therapie nicht durchführbar sein oder eine Leberzirrhose bzw. akutes Leberversagen auftreten, kann eine Lebertransplantation erfolgen.

 

Leberzirrhose – Änderung des Lebensstils bremst das Fortschreiten

Bislang gibt es keine Therapie für die Leberzirrhose bzw. die Rückbildung des Bindegewebes in der Leber. Es ist aber möglich, solange noch nicht die komplette Leber  betroffen ist, die Bildung weiteren Bindegewebes zu hemmen, indem die Patienten auf alle leberschädigenden Einflüsse wie Alkohol und Medikamente verzichten. Außerdem ist eine Gewichtsnormalisierung nötig sowie die Umstellung auf eine gesunde Ernährung.


Ist die zirrhotische Zerstörung der Leber bereits so stark fortgeschritten, dass dadurch die Blutgefäße in der Leber verengt sind und sich das Blut auf der Zuflussseite in der Pfortader staut, entsteht dort ein Überdruck. Dieser Pfortaderüberdruck bewirkt, dass sich das Blut Umgehungskreisläufe um die Leber zum Herzen hin schafft. Da die Gefäße aufgrund des Hochdrucks extrem überdehnt sind, kann es zu lebensgefährlichen Blutungen (beispielsweise aus Speiseröhrenkrampfadern) kommen.

Einziger Ausweg ist eine Kurzschlussverbindung zwischen der Pfortader und der abführenden Lebervene, beispielsweise über einen transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS). Er stellt eine künstliche Verbindung  zwischen dem Pfortadersystem und der ableitenden Lebervene her. Dabei wird über eine Vene an der rechten Halsseite ein Schlauch bis zur Leber vorgeführt und durch die Leber hindurch eine Verbindung zur Pfortader hergestellt, in die ein passendes Röhrchen (Stent) eingelegt wird. Darüber kann dann der Blutabstrom in die untere Hohlvene erfolgen. Ein TIPS muss regelmäßig kontrolliert werden, weil sich im Stent Ablagerungen bilden können oder sich die ableitenden Lebervenen möglicherweise im Laufe der Zeit verengen. Dann muss der Durchmesser neu eingestellt werden. Bei einigen Patienten stellt TIPS eine kurzfristige Übergangslösung bis zu einer Lebertransplantation dar, sie kann möglicherweise aber auch die Transplantation um Jahre hinauszögern.

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Leberzellkrebs – nur im Frühstadium ist eine Heilung möglich

Es gibt eine ganze Reihe von Therapiemöglichkeiten. Die hängen im Wesentlichen vom Stadium des Tumors ab und gar nicht so sehr von der Ursache. Wird Leberkrebs rechtzeitig erkannt, dann lässt er sich oftmals sogar heilen. Eine Teilentfernung der Leber ist die Therapie der Wahl, wenn sich der Tumor noch in einem Frühstadium befindet und keine Leberzirrhose vorliegt. Doch zumeist wird er erst in späten Stadien entdeckt, was die Heilungschancen drastisch verringert. Hinzu kommt, dass sich der Leberkrebs häufig infolge einer Leberzirrhose entwickelt, d.h. die Leber ist geschwächt, die Leberfunktion bereits eingeschränkt. Deshalb sind nur wenige Therapien einsetzbar, und zumeist dienen sie dazu, die Lebensqualität zu verbessern und die Überlebenszeit um ein paar Monate zu verlängern. Zu den Therapiemöglichkeiten bei nicht mehr operablem Leberkarzinom kommen je nach Situation unterschiedliche Eingriffe zur Anwendung.  

Liegen nur einzelne Herde vor, können sie beispielsweise durch Radiofrequenzablation zerstört werden  Bei der Radiofrequenzablation werden die Tumore in der Leber durch Hitze zerstört. Hierfür führt man eine Sonde unter Ultraschall- oder Computertomografie-Kontrolle in den Tumor ein. Ein hochfrequenter Wechselstrom wird über die Sonde in das Tumorgewebe eingeleitet und zerstört so die Tumorzellen.

Sind mehrere Herde vorhanden, die Leberfunktion ist aber noch erhalten, wird eine transarterielle Chemoembolisation (TACE) der Leber durchgeführt. Dabei wird unter Röntgenkontrolle über einen in die Leberarterie eingeführten Katheter ein Zellgift an die betroffenen Areale gespritzt. Anschließend wird das entsprechende Gefäß mittels kleiner Kügelchen verschlossen.

Seit 2007 gibt es nun auch die erste erfolgreiche Chemotherapie für Leberzellkrebs mit dem Medikament Sorafenib. Es kann die Überlebenszeit um durchschnittlich 3 Monate verlängern.

Ein noch relativ neuer Therapieansatz bei Lebertumoren, der Teil eines umfassenden Behandlungskonzeptes ist, ist die Selective Internal Radiation Therapy (SIRT). Sie wird in der Klinischen Radiologie am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Patienten eingesetzt, deren Lebertumore weder chirurgisch noch chemotherapeutisch erfolgreich behandelt werden konnten. Winzige (Durchmesser etwa ein Drittel eines Haares) bioverträgliche Sonden aus Harz, die eine radioaktive Substanz enthalten, werden direkt in die Blutgefäße (Leberschlagader) eingespritzt, die die Leber versorgen. Die Harzkügelchen bleiben in den kleinen Gefäßen stecken, die den Tumor mit arteriellem Blut speisen. Dadurch werden Tumore vor Ort einer hohen Beta-Strahlendosis ausgesetzt, die aber nur eine maximale Reichweite von 11 mm hat. Gesundes Lebergewebe wird deshalb kaum belastet. Gleichzeitig werden Tumorgefäße, die für das Wachstum und Überleben eines Lebertumors sehr wichtig sind, verschlossen. „Unsere ersten Erfahrungen sind gerade im Hinblick auf den Erhalt der Lebensqualität der behandelten Patienten sehr positiv“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Maximilian Reiser, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie. Weit über 1.000 Patienten wurden weltweit bislang mit dem Verfahren behandelt. Die SIRT kann aber nur angewandt werden, wenn die Leberfunktion weitgehend erhalten ist und das Lebergewebe nicht durch bestimmte Formen der Chemotherapie vorgeschädigt ist.

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Bilder: Shutterstock (1)

Glossar

Arterie
Ein Blutgefäß, das das Blut vom Herzen wegführt. Arterien transportieren in der Regel sauerstoffreiches Blut. Nur die Arterien des Lungenkreislaufs enthalten sauerstoffarmes Blut. In den Arterien des Menschen sind nur etwa 20 % des gesamten Blutvolumens enthalten. Die größte Arterie ist die Hauptschlagader (Aorta).

Autoimmunerkrankung
Überbegriff für Krankheiten, die durch eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen werden. Die Immunreaktion richtet sich dabei gegen körpereigenes Gewebe, das irrtümlich als zu bekämpfender Fremdkörper erkannt wird. Die Folgen sind schwere Entzündungen, die die betroffenen Organe schädigen.

Ballondilatation
Methode, um verstopfte Hohlräume, wie Blutgefäße oder Harnröhre, wieder durchlässig zu machen. Dabei wird ein winziger Ballon in den entsprechenden Hohlraum eingeführt und dort mit hohem Druck kurz aufgeblasen. Dadurch wird er erweitert.

Beta-Strahlung (ß-Strahlung)
Ionisierende Strahlung

Chelatbildner
Komplexbildner; Stoffe, die mehrere Bindungsstellen z.B. für Schwermetallionen haben, die aus dem Körper ausgeleitet werden sollen.

Chemotherapie (Zytostatikatherapie)
Mit einer Chemotherapie (auch Zytostatikatherapie) werden entartete Zellen behandelt. Dabei erhalten die Patienten Medikamente, die krebsverursachende Zellen abtöten oder hemmen sollen. Da auch gesunde Zellen beeinträchtigt werden, kommt es zu Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Haarausfall.

Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
bedeutet übersetzt: „honigsüßer Durchfluss“. Chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Blut einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufweist. Diabestes mellitus zeichnet sich durch absoluten Insulinmangel (Diabetes Typ 1) oder relativen Insulinmangel (Diabetes Typ 2) aus.

Erythrozyten-Apherese
Ein dialyseähnlicher Apparat trennt im Durchflussverfahren aus dem Spenderblut die Erythrozyten ab und leitet die übrigen Blutbestandteile zurück in den Spenderkreislauf.

Ferritin
Speichereiweiß für Eisen

Hepatitis
Leberentzündung, die durch Viren ausgelöst wird. Es gibt mehrere Formen, wobei vor allem die Typen A, B und C eine große Rolle spielen. Hepatitis A wird durch Schmierinfektionen über den Stuhlgang übertragen und heilt immer aus. Die Formen B und C werden auf dem gleichen Weg wie HIV übertragen und neigen dazu, chronisch zu werden. Eine Leberzirrhose, aber auch Leberkrebs können dann die Folge sein.

Immunsuppressiva
Medikamente, die das Immunsystem in seiner Funktion unterdrücken

Katheter
Röhrchen oder Schlauch aus Kunststoff, Metall oder Glas, das in Hohlorgane wie Harnblase, Magen, Darm, Gefäße, Herz etc. eingeführt werden kann, um diese zu untersuchen, zu spülen oder zu entleeren

Kortikosteroide
Hormone, die in der Nebennierenrinde gebildet werden, und chemisch vergleichbare synthetische Stoffe. Die heute in der Medizin verwendeten Kortikosteoride sind chemisch verwandt mit diesen natürlichen Hormonen. Sie werden vor allem zur Behandlung von Entzündungen eingesetzt. Bei längerfristiger Einnahme kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Leberzirrhose
Bezeichnung für jenes Stadium der Leberzerstörung, in welchem die ganze Leber von Bindegewebe durchzogen und knotig umgebaut ist. Die Leberfunktion ist entsprechend stark eingeschränkt.

Morbus Wilson
Diese Störung des Kupferstoffwechsels ist genetisch bedingt. Infolge des Gendefekts scheidet die Galle zu wenig Kupfer über den Darm aus. Dadurch reichert sich Kupfer in der Leber und anderen Organen wie Gehirn, Knochen, Niere und Herz an.

Pfortader
Vene, die das Blut aus dem Magen, der Milz und dem Darm zur Leber führt und sich dort in Kapillargebiete verzweigt

Primär biliäre Zirrhose (PBC)
Chronische Krankheit, die an den kleinen, in der Leber gelegenen Gallengängen beginnt und zu deren Zerstörung führt. Gallestau bis zur Zerstörung des Lebergewebes (Leberzirrhose) sind die Folge.

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Chronisch verlaufende entzündliche Erkrankung der inner- und außerhalb der Leber gelegenen Gallenwege. Bindegewebsfasern ordnen sich dabei zwiebelschalenartig um die kleinen Gallengänge an. Die Gallengänge bilden sich deshalb allmählich zurück. Die Erkrankung geht unbehandelt allmählich in eine Leberzirrhose über.

Transplantation
Transplantat ist natürliches Material aus Zellen oder Geweben zur Transplantation. Dabei unterscheidet man:
• Autologe Transplantation: Spender und Empfänger sind eine Person
• Syngene Transplantation: Spender und Empfänger sind genetisch identisch, z.B.   eineiige Zwillinge
• Allogene Transplantation: Spender und Empfänger gehören zur gleichen Art
• Xenogene Transplantation: Spender und Empfänger gehören unterschiedlichen Arten an, z.B. Schwein zu Mensch

Ursodeoxycholsäure (UDCA)
Natürliche Gallensäure, die u.a. zur Behandlung der Primären biliären Zirrhose (PBC) und der Primären sklerosierenden Cholangitis (PSC) eingesetzt wird.