Erhöhtes Cholesterin erfordert konsequente Behandlung
„Sport, gesunde Ernährung, nicht rauchen“ – mancher Patient kann es nicht mehr hören. Doch gerade bei der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen spielt ein gesunder (oder zumindest gesünderer) Lebensstil die entscheidende Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Das heißt erstens: die Ernährung umstellen. Weg von Fertiggerichten und Fastfood, Wurst, zu viel Fleisch, fettem Käse, kurz, weg von zu fettreicher Nahrung mit vielen tierischen Fetten.
Das heißt zweitens: Regelmäßig bewegen. Denn schon dreimal wöchentlich eine halbe Stunde (ideal: eine Stunde) lockerer Ausdauersport erhöht das „gute“ gefäßschützende HDL-Cholesterin und senkt das „böse“ gefäßschädigende LDL-Cholesterin messbar.
Zusätzlich kann es nötig sein, cholesterinsenkende Medikamente einzunehmen. Das gilt besonders für Menschen mit einer ausgeprägten (oft familiären) Hypercholesterinämie. Auch bei Menschen mit hohem Cholesterin im Blut und zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder einem bereits erlittenen Herzinfarkt können fettsenkende Medikamente dringend nötig sein.
Letztlich muss der Arzt jedoch aufgrund des ganz individuellen Risikoprofils entscheiden, wem er welche Medikamente verschreibt. Alle „Faustregeln“ können immer nur Anhaltspunkte liefern. Die für den Einzelnen optimale Therapie einer Fettstoffwechselstörung muss der Arzt individuell zusammenstellen.
Erster Schritt bei hohem Cholesterin: den Speiseplan umstellen

Obst oder Fastfood? Zugunsten des Cholesterinspiegels – sowie der Gesundheit generell – sollte man den Apfel dem Burger vorziehen.
Ernährungsexperten sind sich einig: Die Deutschen essen zu fett (außerdem zu viel und zu süß). 70 bis höchstens 80 Gramm Fett pro Tag sollte man maximal zu sich nehmen. Und zwar unabhängig davon, ob eine Fettstoffwechselstörung vorliegt oder nicht. Bei den meisten Deutschen liegt die tatsächliche Fettaufnahme mit der Nahrung aber deutlich höher.
Durch die mitteleuropäische, fettreiche Ernährung werden vor allem gesättigte Fettsäuren aufgenommen. Diese Fettart erhöht das schädliche LDL im Blut und begünstigt damit arteriosklerotische Ablagerungen. Besser sind ungesättigte Fettsäuren und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel im Blut senken. Diese Fettsäuren sind vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln wie Raps- und Sonnenblumenöl, Nüssen, Samen und Avocados enthalten. Aber auch in Speisefisch kommen die ungesättigten Fettsäuren in Form von Omega-3-Fettsäuren vor.
Ebenso wertvoll ist eine Ernährung mit Ballaststoffen, die in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse enthalten sind. Diese Lebensmittel wirken sich positiv auf die Blutfette aus, da sie Cholesterin an sich binden und es bei der Ausscheidung über den Darm dem Körper entziehen.
Die wichtigste Ernährungsregel: So weit wie möglich auf Fertigprodukte und Fastfood verzichten. Je stärker Lebensmittel verarbeitet wurden, desto höher ist der Anteil an qualitativ minderwertigen Zutaten.
Eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung hat einen zusätzlichen Vorteil: Sie lässt die Pfunde purzeln. Das ist wichtig bei Fettstoffwechselstörungen, denn Übergewicht kann das Risiko für solche Erkrankungen auf direktem Wege beeinflussen. Durch einen zu großen Bauchumfang werden große Mengen an Fettsäuren freigesetzt, die den Anteil an dem „guten“ HDL-Cholesterin senken, den Anteil an dem „schlechten“ LDL aber ansteigen lassen. Mit einer richtigen Ernährung kann man also nicht nur die Aufnahme von Nahrungsfetten vermindern, sondern auch den körpereigenen Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflussen.
Gelegentlich Fleisch, Butter oder Käse in maßvollen Mengen zu essen, schadet jedoch nicht. Eisen und manche Eiweiße sind in Fleisch und tierischen Produkten reichlicher enthalten als in pflanzlichen. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen für ihr Wachstum größere Mengen an Proteinen, Eisen und Kalzium.
Tipps für eine gesunde, fettarme Ernährung. (Link auf Ratgeber)
Sport erhöht das gute HDL-Cholesterin

Viel Bewegung ist ein entscheidender Faktor für gesunde Blutfettwerte: Sie erhöht das HDL- und senkt das LDL-Cholesterin.
Viele Menschen vermeiden es, Treppen zu steigen und nehmen lieber das Auto statt mit dem Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Heute ist Bewegung und körperliche Arbeit für viele Menschen nicht mehr Teil des Alltagslebens – anders als früher. Das hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit: Die Blutfette steigen an, Übergewicht wird begünstigt, Herz-Kreislauf-Krankheiten drohen.
Um Arteriosklerose vorzubeugen, gilt die Devise: Sport hält gesund!
Der Mechanismus funktioniert über zwei Wege: Einerseits sinkt das Gewicht bei regelmäßiger körperlicher Betätigung. Andererseits wirkt Sport aber auch direkt auf die Blutfette: Viel Bewegung erhöht das gute HDL-Cholesterin und senkt das schlechte LDL-Cholesterin sowie die Triglyceride.
Wer unter einer Fettstoffwechselstörung leidet, sollte nach Rücksprache mit dem Arzt drei- bis viermal wöchentlich Ausdauertraining machen. Günstig sind Sportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Joggen und Walking.
Für Untrainierte empfiehlt es sich, langsam zu beginnen. Die Faustregel für herzgesundes Training lautet: Lieber länger als härter. Wer auf der sicheren Seite sein will, kontrolliert während des Sports seinen Puls mit einem Pulsmesser. Die empfohlene Frequenz hängt vom Alter und den Vorerkrankungen ab und sollte mit dem Arzt abgesprochen werden.
Wer zusätzlich im Alltagsleben sportlich sein will: Für mehr Bewegung sorgt schon der Verzicht auf Auto, Fahrstuhl und Rolltreppe.
Alkohol und Rauchen: Gift für die Gefäße
Rauchen und Alkohol wirken sich ungünstig auf den Fettstoffwechsel aus. Zigarettenrauch vermindert den Anteil an nützlichem HDL-Cholesterin im Blut und erleichtert zugleich das Eindringen von schädlichem LDL-Cholesterin in die Gefäßwände. Insgesamt ist das ein Mechanismus, der das Fortschreiten von Arteriosklerose begünstigt. Ein sofortiger Rauchstopp ist deshalb ein Muss für Patienten mit Fettstoffwechselstörungen.
Auch Alkohol schadet den Gefäßen. Durch Alkoholkonsum steigt der Anteil an Triglyceriden im Blut; sie sind eine weitere Fettart, die das Entstehen von Arteriosklerose fördert. Mediziner raten bei Fettstoffwechselstörungen daher zu einem konsequenten Verzicht auf Bier, Wein und andere Alkoholika. Ganz besonders „harte“ Drinks wie Cognac oder Schnaps sind tabu.
Statine: wirksame Cholesterinsenker

Wenn sonst nichts hilft: Mit Medikamenten erreicht man in der Regel eine gute Einstellung des Cholesterinspiegels – allerdings häufig mit Nebenwirkungen.
Falls die Cholesterinwerte trotz Ernährungsumstellung und häufiger Bewegung weiterhin im erhöhten Bereich liegen, wird der Arzt spezielle Medikamente verschreiben. Am wirksamsten sind die sogenannten Statine.
Sie blockieren die körpereigene Produktion von Cholesterin in der Leber, indem sie das Schlüsselenzym für die Cholesterin-Produktion hemmen. Daher werden sie auch CSE-Hemmer oder Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer genannt.
Zellen, die Cholesterin benötigen, müssen nun das überschüssige LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen und verarbeiten. Damit sinkt der Cholesterinspiegel im Blut, das Arterioskleroserisiko nimmt ab. Zusätzlich scheinen Statine auch positiv auf arteriosklerotische Plaques zu wirken: Sie hemmen Entzündungsreaktionen und erhöhen die Festigkeit der Plaques an den Gefäßwänden. Diese festen Plaques engen zwar die Gefäße ein. Im Gegensatz zu den instabilen Plaques bergen sie jedoch ein geringeres Risiko, „aufzuplatzen“ und damit einen Herzinfarkt auszulösen.
Mögliche Nebenwirkungen von Statinen sind Verstopfung, Blähungen und Muskelschmerzen. In sehr seltenen Fällen treten sogenannte toxische Myopathien auf, die zu einer Lähmung aller Gliedmaßen führen und manchmal sogar tödlich enden.
Wie bei allen anderen lipidsenkenden Medikamenten sollten vor dem Einsatz von Statinen die Leberenzyme bestimmt werden, denn erhöhte Leberwerte können eine weitere Nebenwirkung sein.
Cholesterin-Aufnahme-Hemmer: Blockade im Darm
Der sogenannte Cholesterin-Aufnahme-Hemmer Ezetimib lagert sich in der Schleimhaut des Dünndarms ab und hemmt dort die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung. Der Effekt: Nur die Hälfte des Nahrungs-Cholesterins gelangt ins Blut. Als Folge nehmen die Körperzellen mehr vermehrt schädliches LDL-Cholesterin aus dem Blut auf. Das LDL lässt sich so effektiv senken.
Häufig wird dieses Medikament mit einem Statin kombiniert, um eine noch größere Senkung des Cholesterins zu erreichen. So kann in dieser Kombination die Dosis des Statins niedriger bleiben. Diese Kombination wurde daher einige Zeit lang als Durchbruch in der Behandlung der Hypercholesterinämie und ihrer Folgen angesehen. Jedoch hat eine neuere Studie Zweifel daran geweckt (siehe Fenster „Forschung“ (Link auf Forschung)), ob die stärkere Cholesterinsenkung tatsächlich auch das Herz-Kreislauf-Risiko wirksamer verringert, also Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern kann.
Fibrate: eine Alternative zu den Statinen
Verträgt ein Patient Statine nicht, werden häufig Fibrate verordnet.
Diese Substanzen verringern vor allem die Triglyceride, indem sie deren Produktion in der Leber einschränken. In geringerem Ausmaß senken Fibrate auch den LDL-Cholesterinspiegel. Außerdem erhöhen sie das HDL-Cholesterin, das „gute“ Cholesterin. Ihr genauer Wirkmechanismus ist noch nicht bekannt.
Vor allem zu Beginn der Therapie kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Magenbeschwerden kommen. Außerdem verändern Fibrate die Zusammensetzung der Gallensäure, und damit steigt das Risiko für Gallensteine. Die gleichzeitige Einnahme von Fibraten und Statinen ist wegen der Gefahr schwerer Muskelschäden nicht zu empfehlen.
Nikotinsäuren: Vitamine im Kampf gegen Cholesterin
Bei Nikotinsäuren handelt es sich um Vitamine, die – als Medikament in hoher Dosierung – die Freisetzung von Fettsäuren aus dem Fettgewebe hemmen. Dadurch sinken der schädliche LDL-Spiegel und die Anzahl der Triglyceride. Der gesunde HDL-Spiegel dagegen wird erhöht. Bei kombinierten Fettstoffwechselstörungen, das heißt bei Störungen, die durch Vererbung und Lebensstil bedingt sind, setzen Ärzte bevorzugt Medikamente aus der Gruppe der Nikotinsäuren ein.
Häufige Nebenwirkungen sind eine plötzliche Rötung bzw. eine Hitzewallung (ein sogenannter „Flush“) oder Magen-Darm-Beschwerden. In diesem Fall empfiehlt es sich, Nahrungsmittel, die einen Flush begünstigen – wie Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen – zu meiden.
Häufig wird eine gleichzeitige Einnahme von Statinen und Nikotinsäuren empfohlen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Das „schlechte“ LDL-Cholesterin wird effektiv gesenkt, auch die schädlichen Triglyceride werden weniger, aber das „gute“ HDL steigt an.
Austauscherharze: direkt vor dem Essen einnehmen
Austauscherharze oder Gallensäureharze wirken ebenfalls im Darm: Sie hemmen die Wiederaufnahme von Gallensäuren ins Blut. Da Gallensäuren nun im Körper fehlen, werden die Leberzellen angeregt, mehr dieser Säuren zu bilden. Sie benötigen dazu Cholesterin, das sie aus dem Blut ziehen. Als Folge sinkt der Cholesterinspiegel.
Als Nebenwirkung können diese Medikamente Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden verursachen. Bei Austauscherharzen ist es wichtig, nach ihrer Einnahme zu essen, da sonst keine Gallensäure ausgeschüttet wird und das Medikament nicht wirken kann.
Die Plasma-Apherese: Blutwäsche bei extrem hohen Cholesterinwerten
Ähnlich wie die Dialyse bei Nierenerkrankungen ist die Plasma-Apherese eine Art „Blutwäsche“: Eine Kanüle wird an einer Armvene angelegt, das Blut fließt durch einen Apparat, in dem die überschüssigen Blutfette herausgefiltert werden. Über eine Vene des anderen Armes wird das gefilterte und von Blutfetten befreite Blut wieder zurückgeleitet. Der Patient kommt circa einmal wöchentlich zur Behandlung.
Diese aufwendige Therapie ist jedoch nur für Patienten geeignet, die extrem hohe Cholesterinwerte haben, meist aufgrund einer genetisch bedingten Hypercholesterinämie. Außerdem wird dieses Verfahren auch bei Patienten eingesetzt, die trotz Medikamenteneinnahme ihre Blutfettwerte nicht verbessern konnten – und bereits unter einer Herz-Kreislauferkrankung leiden.
Bei sekundärer Fettstoffwechselstörung: erst die Ursachen behandeln
Bei vielen Patienten ist die Fettstoffwechselstörung auch sekundär bedingt, das heißt Folge einer anderen Krankheit wie Magersucht, Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes mellitus. In diesen Fällen muss die Grundkrankheit behandelt werden. So muss
zum Beispiel der Diabetes eingestellt werden oder bei Schilddrüsenunterfunktion eine Therapie mit entsprechenden Medikamenten erfolgen. Selbstverständlich ist auch bei der sekundären Fettstoffwechselstörung eine Umstellung der Lebensgewohnheiten immer Teil der Therapie.
Bilder: Shutterstock (4)
Glossar
Cholesterin
Gruppe innerhalb der Blutfette. Cholesterine werden sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch im Körper gebildet. Diese Fette werden für den Transport im Körper an bestimmte Eiweiße gebunden, diese Verbindungen bezeichnet man dann als Lipoproteine. LDL-Cholesterin ist das sogenannte „schlechte Cholesterin“, weil es sich bei erhöhtem Cholesteringehalt im Blut an den Innenschichten der Gefäße ablagert. HDL-Cholesterin schützt die Gefäße vor Fettablagerungen und wird daher das „gute Cholesterin“ genannt.
CSE-Hemmer (Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer, Statine)
Medikamente, die über die Hemmung eines Enzyms die Produktion von Cholesterin im Körper verringern
Dialyse
Blutreinigungsverfahren, das bei Nierenfunktionsverlust angewendet wird
Enzym
Für den Stoffwechsel essenzielles Protein (Eiweiß), das biochemische Reaktionen im Körper beschleunigt
HDL (High Density Lipoprotein)
Lipoprotein mit hoher Dichte. Seine Aufgabe ist der Rücktransport von überschüssigem Cholesterin aus den Körperzellen zur Leber. Es kann auch Cholesterinablagerungen an den Arterienwänden abtransportieren, was der Arteriosklerose entgegenwirkt. Sein Wert im Blut sollte über 40 mg/dl betragen.
Herzinfarkt, akuter (Myokardinfarkt, akuter)
Akute und lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens, bei der wegen einer Durchblutungsstörung Teile des Herzmuskels absterben
LDL (Low Density Lipoprotein)
Ein Lipoprotein mit niedriger Dichte. Es transportiert Cholesterin von der Leber zu den Körperzellen. Bei einem Überschuss an LDL-Cholesterin im Blut lagern sich die Fette an den Gefäßwänden ab (Beginn der Arteriosklerose). Abhängig vom individuellen Gesundheitszustand sollte der LDL-Wert im Blut zwischen 70 und 160 mg/dl betragen.
Myopathie
Muskelerkrankung. Meistens mit Muskelschwäche einhergehend.
Plaque
Flächiger Belag
Statine
Medikamente, die über die Hemmung eines Enzyms die Produktion von Cholesterin im Körper verringern
Triglyceride
Fettart, auch Neutralfett genannt, das zu 90 % aus der Nahrung stammt. Ein Zusammenhang von Triglyceriden mit der Entstehung von Arteriosklerose wird vermutet. Der Triglyceridwert im Blut sollte unter 150 mg/dl liegen.
Vitamine
Gruppe von Stoffen, die nicht im Körper selbst hergestellt werden können, aber für sehr viele Stoffwechselabläufe essentiell (unabdingbar) sind. Sie müssen deshalb vor allem über die Nahrung zugeführt werden.








